Am sandigen Ufer der Elbe tat er sein Wahrzeichen auf, dreihundert römische Meilen weit im herbstroten Land der Cherusker, der tiefer als jemals ein Römer in Wodans Wolkenreich kam.
Aus der schweigsamen Tiefe der unabsehbaren Wälder, so heißt es, und aus dem Grauen des nahenden Winters trat eine Riesin vor ihn, uralt und Unheil weissagend dem prahlenden Jüngling.
Sein Übermut lachte des raunenden Weibes, aber sein Roß stürzte hin auf der Rückfahrt, sie hoben ihn auf mit gebrochenen Beinen.
Dreißig Tage lang trugen die Krieger dem Jüngling die Bahre, durch Sturm und Regen der Wildnis die mühsame Weite zurück, wo sie im Sommer mit Hörnerschall ritten: nur seine Leiche brachten sie heim, im Standlager zu Mainz dem Stolzen das steinerne Grabmal zu bauen.
Dann taten die Römer dem Strom die Stachelschnur an ihrer trotzig bewehrten Kastelle; von den grünblauen Seen hinunter zur kalten Meerküste stand ihre Wacht am Strom und am Rand der düsteren Wälder.
Schwer hing die Frucht und süß schwoll die Rebe zur Linken im Hügelland gallischer Sonne; dunkel und drohend dehnte sich rechts die dürftige Wildnis, der Nebel hing grau über unermeßlichen Weiten.
Die gallische Morgengabe cäsarischer Macht wurde reich im Gewinn emsiger Gärtner; über den Strom scholl der krachende Speer und der Schildruf trotzig anschweifender Scharen.
Arminius
Als das Gebot des Kaisers Augustus ausging, die Welt der römischen Herrschaft zu schätzen, kam als Geisel ein Jüngling nach Rom, aus dem Stamm der Cherusker und Segimers Sohn, der ein Fürst seiner Sippe im Weserland war.
Sein Oheim Segestes hatte dem Kaiser ein Hilfsvolk gestellt, darin der Sohn Segimers Söldnerdienst tat; ihm boten die Römer das Bürgerrecht an, in den römischen Ritterstand hob der Kaiser den Jüngling.