Da pflegte er seine bescheidenen Blümchen: Schneeglöckchen, Aurikeln und rotbraunen Goldlack, Reseda und blaues Vergißmeinnicht, vielfarbene Astern im Herbst, und für den Winter die haltbaren Strohblumen.
Und wußte wohl, daß den Blumen allein kein häuslicher Garten gehöre, daß allerlei Kräuter und Suppengrün, reichlich Salat und ein wenig Kohl, Gurken, Erbsen und Bohnen, an Stangen gesteckt, samt krausen Mohrrübenbeeten für einen Haushalt vonnöten, und daß ein reifender Kürbis ebensowohl ein behaglicher Anblick sei als auch eine schmackhafte Nahrung.
Denn der Professor der hausbackenen Schönheit war selber ihr Dichter: Oden und geistliche Lieder, Fabeln mit frommer Moral, Schäferspiele sogar und sein Roman von der schwedischen Gräfin hielten sich ängstlich dem Flügelroß fern.
Ein bißchen Aufklärung und ein bißchen Erweckung; der kleinste Zuschnitt des Lebens mit erlaubter Vernunft und erlaubten Gefühlen fand seinen empfindsamen Sprecher.
So lehrte, lebte und schrieb Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig und war der demütigen Jugend der liebe Gott selber im Schlafrock; die Fürsten sandten ihm Geld, die Bürger Schinken und Holz, daß sein kränklicher Körper im Winter gewärmt und ernährt sei.
Und als er tot war, flossen die Tränen um ihn wie nie um einen Dichter in Deutschland, Denkmäler zeugten der Nachwelt für seine Verehrung; seine Fabeln blieben im Mund der genügsamen Jugend und seine geistlichen Lieder im Kirchengesangbuch.
Klopstock
Zu der Zeit, da der Gutsherr in Rheinsberg seinen Freunden französische Verse vorlas, weil seine fürstliche Bildung den Weg zur eigenen Sprache nicht fand, wuchs in Schulpforta ein Jüngling, Klopstock geheißen, der diesen Weg strenger als einer der Dichter vor ihm zu gehen bereit war.
Er hieß noch ein Schüler der unteren Klassen, aber schon tastete er stolz nach dem Ruhm, seinem Volk den Messias zu schreiben, der übermenschliches Leben und göttliches Tun in deutschen Versen berichten und eine erhabene Dichtung sein sollte, wie es die hohen Gesänge der Griechenwelt waren.