Und während sein Name im Zweifel der Frommen langsam gefror, hatten ihm seine Oden wärmere Freunde gewonnen.
Da war ein höheres Priestertum als die blasse Verzückung der Pietisten, da war die reine Luft hoher Berge, darin die Gedanken gleich seligen Wolken über dem blauen Hügelfeld standen, da war die große Schönheit der Natur in Silber gespiegelt.
Und wie die Gesinnung rein und erhaben, so war die Kunst der Sprache vollendet, weitab vom Gleichklang des Reimes ließ sie die Worte stark und schön klingen nach ihrer Bedeutung.
Er alterte früh, der solch ein Dichter der reinen Erhabenheit war, und als er im Alter zusah, hatte die Jugend sich dreimal zu anderen Dingen gewendet, so daß er der Zeit fremd und seines Ruhmes verdrossen die Augen zumachte.
Sein Grab aber in Ottensen wurde ein heiliger Ort und ein Tempel der Geister, die in der bunten Vielfältigkeit und in der täglichen Torheit der Sprache das Schaubild der Ewigkeit suchten.
Der Hainbund
Hoch über den Alltag hin und heilig im Morgenlicht ihrer Sendung waren die Verse Klopstocks gewandelt: im griechischen Silbenfall fremd, fromm und deutsch im Selbstgefühl ihrer Würde und im Bardenton ihrer Sprache.
Denn ob es Ossian war, der keltische Sänger, der darin wiederklang, ob der Traum des Dichters nur einen Olymp im Nordlicht vorstellte: er trat in den gezirkelten Garten französischer Bildung als der erhabene Hochklang der deutschen Vergangenheit ein.
Und was ein Irrtum des Dichters seine Bardieten nannte, die Oden germanischer Herkunft, das wurde ein heiliges Feuer der Jugend, daraus sie den Stolz und die Liebe der eigenen Sprache und ihrer reichen Geschichte wiedergewann.
Es war ein blaßblauer Herbsttag, da der Jünglinge fünf aus Göttingen den ehrwürdigen Eichenhain fanden, da sie den heißen Freundschaftsbund schworen, da sie mit Eichenblättern bekränzt sich selber die Barden der deutschen Erneuerung nannten.