Kohlhaas, der Roßhändler von Jüterbog, hatte dem Unrecht der Zeit samt ihren Junkern und Fürsten getrotzt, weil ihm sein Recht das höchste Mannesgut in der Welt war; er hatte den Trotz mit dem Schwert des Henkers bezahlt, und war noch dem Henker zum Trotz Sieger geblieben über Junker und Fürsten.

So waren die Dinge noch nie einem Dichter über die Klinge gesprungen, als da der Junker Heinrich von Kleist den Roßhändler Michael Kohlhaas beschwor, als da er das Schattenbild einer Chronik in ewige Gegenwart stellte.

Aber die seinen Schicksalsbericht lasen, waren der ewigen Gegenwart fern; sie hörten von einem Roßhändler und sahen den Dichter nicht, wie er die hämmernden Worte in einen Marmorstein grub, Urtümliches sichtbar zu machen.

Sie hörten danach sein Spiel vom Zerbrochenen Krug und konnten nicht lachen, weil sie die Seufzer und Sittensentenzen schlechter Schauspieler vermißten, weil der blühende Scherz und derbe Spaß vom bocksfüßigen Richter in Husum ihnen zu handgreifliche Wirklichkeit war.

Sie sahen das Kätchen von Heilbronn um seinen Ritter Ungemach leiden und fanden es dumm von dem Dichter, daß er das rührende Spiel ihrer Liebe in soviel Unheil vertiefte.

Der aber dies alles den Ohren und Augen der Bürger noch hinwarf, ging längst auf dem Messergrat seiner letzten Entscheidung; als er ein armes Menschenkind fand, entschlossen hinunter zu springen, sprang Heinrich von Kleist mit in den Tod, der ihn von der Zeitung, von den Berlinern, von seiner schmählichen Zeit und seiner Enttäuschung in Einem erlöste.

Es war im fünfunddreißigsten Jahr seines Lebens, als Heinrich von Kleist sich mit der Schicksalsgenossin am Wannsee erschoß; die gute Gesellschaft schwieg peinlich betreten, daß es die Frau eines Kleinbürgers war, der sich der Junker im Tode verband.

Zehn Jahre lang blieb sein Gedächtnis vergessen, dann hoben Freunde den Nachlaß und fanden den Schatz, den ein Dichter dem Preußentum schenkte, als ihm sein eigenes Leben in Preußen vergällt war.

Den Prinzen von Homburg hieß er sein Testament, und ob sie es lange mit blödem Gesicht lasen, einmal mußte sein Geist auferstehn, und einmal mußten die kargen Berliner und Preußen erkennen, daß nichts in der Welt diesem Bühnenspiel gleich war.

Klopstock und Herder, Lessing und Schiller hatten um eine Dichtung gerungen, die jenseits des Tages doch seines Wesens innerstes Angebind war, Novalis sank in den Tod, Hölderlin floh zu den Griechen, indessen Goethe, der Leuchtturm in nächtlicher Brandung, über den Zeiten dastand: