Ein Junitag wars, da standen im Gasthof zur Tanne in Kamsdorf bei Jena Studenten und hörten dem Sprecher zu; einhundertdreizehn war ihre Zahl, der Sprecher hieß Horn.

Er war ein Kieler Blut und sprach von anderen Dingen als sonst ein Student; die ihm zuhörten, waren mit hellen Herzen gekommen, von solchen Dingen zu hören.

Der große Krieg war ihre Schule geworden und der doppelte Sieg ihr Examen; sie hatten es tapfer bestanden, doch da sie den Sieg heimbrachten aus endlosen Märschen, heißen Gefechten und brüllenden Schlachten, fanden sie keinen Raum, ihn zu betten.

Sie waren Deutsche gewesen im Feld und sollten nun wieder der Landsmannschaft dienen, die dem Studenten das Flickwerk der Fürsten mit ihren Farben und Feindschaften aufklebte.

Sie waren Männer gewesen im Krieg und sollten nun wieder den Tag mit Narrheiten füllen, saufen und singen mit heiseren Kehlen, mit seichtem Geschwätz und albernen Streichen die Stunden abstechen.

Sie waren Kämpfer gewesen im täglichen Tod und sollten wieder mit Liebesgetändel und lüsterner Buhlschaft dem Leben die trüben Becher leertrinken.

So standen sie tapfer und treu in der Tanne zu Kamsdorf zusammen, selber dem Sieg die Räume zu bauen, die ihnen die Heimat versagte: Burschen wollten sie bleiben, aber die Burse, darin sie wohnten, sollte das ganze Vaterland sein.

Keine landsmännische Feindschaft sollte die Österreicher, Preußen, Bayern, Sachsen, Schwaben, Holsteiner, Schlesier, Westfalen und Rheinländer trennen: deutsch sollte deutsch sein, von Straßburg bis Riga, von der Etsch bis zum Belt; die Farben schwarz, rot und gold, darin sie im Lützowschen Freikorps die Freiheit erhoben, sollten die Farben der deutschen Burschenschaften bleiben.

Das Fest auf der Wartburg