Der Goethetag war eine verborgene Feier gewesen, ein Sternbild über dem stummen Land; der Schillertag wurde das rauschende Fest seines Volkes.
Den Sänger der Freiheit hießen sie ihn, und weil die Freiheit im deutschen Bund eingesargt war, kam die deutsche Bildung mit Kränzen und Fahnen, mit Böllern und Glockengeläut, mit Reden und Männergesängen, das Grab der Freiheit zu feiern.
Um die Lebendigen war eine Leere, und Gras wuchs über das große Gedächtnis; aber am Schillertag blühte im Kornfeld der Bildung das Unkraut der deutschen Begeisterung auf.
Der Geheimrat hörte das Glockengeläut gern; wohl brauste die Jugend hinein und manche Rede klang scharf in den Tag: aber das Wahre, Schöne und Gute hatte gesiegt über die Geister von gestern, und hatte die Völker in seiner Hand fromm und glücklich gemacht.
Friedrich List
Als die Deutschen den Schillertag feierten, war es im dreizehnten Jahr, daß ein anderer Schwabe, verdüstert und müde der deutschen Ermattung, in Kufstein sein rastloses Leben mit einer Kugel beschloß.
Er war kein Dichter, und als er am Tübinger Stift Staatswissenschaft lehrte, hieß ihm Hölderlin wenig; unnütze Träume galten dem praktischen Schwaben Griechenlands Götter, und bläßliche Feiertagsfreude galt ihm ein Frühlingsgedicht.
Ein fröhlicher Hammerschlag lockte ihn mehr als die Wehmut versunkener Dinge; und weil seinem Gegenwartssinn verschimmelte Weisheit zu lehren nicht mehr behagte, weil zuviel Pastorengeruch in der Tübinger Luft war, ließ er sein Amt, das Stift und die Stadt, in Stuttgart den Stätten der Arbeit näher zu sein.
Das aber war zu der Zeit, da Sand den Kotzebue totstach, da die Karlsbader Beschlüsse den Mord an der deutschen Burschenschaft rächten; sie fanden auch List, der die Regierung in Stuttgart mit zornigen Eingaben plagte, und setzten den lästigen Mahner hinter das eisenbeschlagene Tor auf dem Asperg.
Sich aus der harten Haft zu befreien, versprach er, das schwäbische Land mit der neuen Welt zu vertauschen und über dem Meer dem frommen Geheimrat nicht mehr im Weg zu sein.