Sie haßten den Reichtum und seine Nutznießer, sie haßten die Prunkstraßen der Stadt und alle, die darauf spazierten, sie haßten den Bürger, der seinen Tag lebte, und haßten den Staat, der seinen Wohlstand beschützte.

Sie haßten die Kirche, weil sie den Armen den Himmel versprach für die entgangenen Freuden der Erde; sie haßten den Kaiser dazu, weil Thron und Altar die Stützen der alten Klassengewalt waren.

Der Kaiser war längst ein Greis, und drei Jahrzehnte waren vergangen, seitdem er Kartätschenprinz hieß; drei Jahrzehnte hatten sein greises Haupt ehrwürdig gemacht; wenn seine gebeugte Gestalt im Wagen ausfuhr, freundlich nickend nach allen Seiten, strömten ihm Liebe und Dank, Ehrfurcht und Jubel des Volkes zu.

Aber der Jubel reizte den Haß, und dem Haß sind die Wege zur Hölle gepflastert: Hödel, der Klempnergeselle, fehlte mit seiner Kugel den König; Nobiling schoß ihn mit Rehposten nieder wie der Wilderer ein Wild.

Indessen der schmählich verwundete Greis von seinen Wunden genas, beschloß der Reichstag das Sozialistengesetz, das um den Abgrund der roten Zwietracht den bösen Stacheldraht zog.

Wie einmal den Burschenschaften geschah, geschah nun den Sozialisten: Verfolgung, Gefängnis und Landesverweisung waren das grausame Los aller, die sich bekannten.

Zum andernmal kam dem Geheimrat der Büttel zur Hand, aber der Wille der Mehrheit, nicht Willkür der Fürsten, gab ihm die Macht, im Namen des Rechtes Unrecht zu walten.

Haß löckte wider den Haß: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hatte es einmal geheißen, da der Bürger sein Dasein gegen die Junker und Pfaffen erhob; nun klang der gleiche Ruf gegen ihn, den Feind des Genossen.

Der Deutsche Soldat