Als aber der König zur letzten Ruhestatt fuhr, waren viel Prinzen und Fürsten zwischen dem Sarg und seinem gewaltigen Leibwächter; und als der todkranke Sohn sein König und Herr war, trug eine Prinzessin von England die Krone, die, Preußen und Deutschland gleich fremd, dennoch dem Kanzler den Gang seiner Uhr störte.
Ein kurzes Wetterspiel zuckte: Kanzler und Kaiserin standen im Blitzlicht; aber am neunundneunzigsten Tag seiner Regierung lag Friedrich der Dritte als Leiche in Potsdam, und Wilhelm der Zweite, der Enkel, war Kaiser von Deutschland.
Zu jung für sein Volk, zu alt für den Kanzler, nahm er das Zepter der Macht; im goldblauen Himmel hatte der Abendstern Wilhelm des Siegreichen stark und tröstlich gestanden: als er gesunken war, gerannen die Lüfte in dichtem Dämmergewölk, indessen das kurze Gewitter hinter den Bergen vergrollte.
Der Alte im Sachsenwald
Der Zeiger der Uhr hatte den Sohn übersprungen; dem Enkel zu dienen, wurde dem eisernen Kanzler als Schicksal ins Alter gelegt.
Er hatte das Reich als Bund der Fürsten gegründet, denen der König von Preußen wohl Kaiser, aber nicht Lehnsherr war.
So führte der Kanzler im Namen des Kaisers die deutschen Geschäfte und stand dem Bundesrat vor, darin die Minister der Fürsten nach ihrer Stärke abstimmten; aber er blieb der Minister des Königs von Preußen.
Seinen gnädigen Herrn mußte der mächtigste Mann im Reich den Enkelsohn heißen; aber nun war keine Weisheit und Würde mehr da, nach seinem Rat zu befehlen: Wilhelm der Zweite wollte sein eigener Ratgeber heißen.
Friedrich den Großen hieß er sein Vorbild; aber er war dem Spötter von Sanssouci fremd, wie der prahlende Schein der schlichten Größe fremd ist.