Da stand die Agia Sophia unter dem Halbmond, die einmal das griechische Kreuz der Gläubigen trug, da war die Herkunft der russischen Kirche in türkischen Händen, da war den Russen das Tor der Dardanellen verriegelt.

Wohl hingen die unermeßlichen Weiten der russischen Länder am Kreuz ihrer nordischen Küsten, aber das Eismeer hielt ihre Häfen im Winter geschlossen; das schwarze Meer mit Odessa, der lieblichen Krim und dem Kriegshafen Sebastopol sperrten die Türken mit eisernen Ketten.

Längst war die Türkengefahr für die Christenheit aus; den kranken Mann hießen die Spötter den Sultan, der nur noch ein Schattenbild war: dem kranken Mann wollten die Russen endlich zum Tode verhelfen.

Bis unter die Tore von Konstantinopel führte ein rascher Feldzug den Zaren, aber England und Österreich hemmten sein siegreiches Schwert: als ehrlichen Makler riefen die streitenden Mächte den Kanzler.

So kam der stolze Tag für Berlin, da Bismarck obenan saß unter den Mächtigen, dem Streit die Waage zu halten, wie einmal der Kaiser von Frankreich Schiedsrichter im Abendland war.

Aber die Würde, so klug er sie übte, brachte dem Schiedsrichter keinen Dank und Gewinn; der stolze Tag von Berlin wurde dem Reich die Glückswende des Schicksals.

Die Mächte mit ihrem Gewicht hatten die Russen gehindert, Byzanz zu erreichen; aber der russische Groll fiel auf die Hand, die den Mächten die Waage zu halten gedingt war.

Rußland, der mächtige Nachbar im Rücken des Reichs, ging zu dem Todfeind im Westen: ihr böses Bündnis begann, das Reich zu umfassen.

Der Drohung zu wehren, rief Bismarck Nothelfer an: Österreich, Italien und Deutschland im Dreibund vereinigt, sollten dem Zweibund von Rußland und Frankreich das Gleichgewicht halten.

Als ob noch einmal das römische Reich seinen Bogen über das Abendland spannte, so zog der Dreibund die Grenzen der alten Kaisergewalt: aber die Krone war für zwei Kaiser gespalten und statt dem Papst sollte ein König in Rom Widerpart sein.