Und wenn die Hölle ausgerast hatte, wenn das Donnergebrüll schwieg und die gepeinigte Erde zu zittern aufhörte, fing die Vernichtung ihr letztes Mörderwerk an: Hyänen kamen gesprungen, die Opfermahlzeit zu halten; Handgranaten und Messer mußten dem letzten Verzweiflungskampf dienen.

Und einmal war alles vorüber, die Verwundeten waren verbunden, die Verschütteten ausgescharrt, die Toten begraben, Brustwehr und Graben von Blut und Gedärm, vom Unrat des Todes gereinigt: Stille stand über dem Graben, nur das dumpfe Gegroll in der Ferne, am Himmel das dralle Gewölk der Schrapnelle.

Bis wieder nach Stunden, nach Tagen, nach Wochen die Hölle anfing, wie es der Heerbefehl wollte, dem alle diese Männer hüben und drüben in ihren Höhlen, als ihrem Schicksal blind untertan waren.

Die belagerte Festung

Eine belagerte Festung war Deutschland im Weltkrieg, und alle Tapferkeit konnte dem Hunger kein Tor öffnen.

Hindenburg hatte im Osten den russischen Sturm abgeschlagen und Polen zum Bollwerk der Festung gemacht; im Westen hielt eine Mauer aus Stahl und Treue der Heimat den Feind fern: aber das Außenwerk hier wie dort konnte den Frauen und Kindern kein Brot bringen.

Als Mackensen dann mit Conrad von Hötzendorf in Galizien siegte und die russische Front weit in die Sümpfe zurückwarf, waren unendliche Weiten und Wüsten erobert, die russische Kornkammer war es nicht.

So mußte die Tapferkeit weiteren Weg suchen; über den Balkan brauste sie hin zu den Türken; Serbiens kurzes Siegerglück sank vor der deutschen Übermacht nieder: aber der Weg nach Bagdad führte nur in die Wüste.

Auch der heilige Krieg des Propheten half der Festung nicht aus dem Hunger; der Halbmond war in den türkischen Angeln verrostet, der kranke Mann in Byzanz konnte kein Wunder im Morgenland wirken.