Das Kreuz besiegte den römischen Adler; wo die Tempel der Götter verfielen, wurden den Heiligen Kirchen gebaut, Kirchen über den Gräbern: die Lehre des Galiläers stieg hoch in der Gunst der Gewalt, das Gottesreich aber wechselte seine Gestalt.
Der Kaiser, der klüglich das Kreuz an seine Staatsherrlichkeit klebte, blieb Oberpriester der römischen Götter aus furchtsamer Vorsicht, und taufen ließ er sich erst, als er starb, sündenrein vor den Christengott, als christlicher Kaiser bevorzugt in seinen Himmel zu kommen.
Auch war er ein Sohn des Morgenlandes – durch Helena, seine jüdische Mutter – und dem römischen Bürgertum fremd; er legte das asiatische Stirnband seines Despotentums an und machte Byzanz zur Hauptstadt der römischen Welt.
Wie die Sonne der Griechen mit Alexander rauschgolden im Morgenland unterging, so schwand der Vollmond römischer Weltbürgerschaft mit Konstantin hin in die hängenden Gärten.
Darum war es Byzanz, wo der Kaiser im Weihrauch prunkender Messen die Lust seiner Allmacht genoß, wo die höfische Geltung der Kirche die christlichen Hirten zu Weltherren machte.
Höfischer Pomp und der Weihrauch zeremonieller Gebräuche, die Rauschgläubigkeit wundersüchtiger Scharen, das Mirakel und der tönende Schwall himmlischer Freudenverheißung: mit Ornat und Krummstab fiel es über die christliche Lehre, die Liebe und Weisheit des lächelnden Mundes erstickend im Schaumgold kirchlicher Feste.
Simeon aus Sesam
Rund um die Küsten der greisen Griechenwelt lagen die Länder der paulinischen Lehre; Zweifler an den Marmorgöttern hörten die Botschaft seines gekreuzigten Gottes und die Grübler der uralten Logoslehre.
Das Morgenland fing wieder an zu glühen, das vor dem Götterhimmel der Griechenwelt ins Dunkel der Mysterien versunken war; und wo das Wort der neuen Lehre hinfiel auf den verdorrten Boden, da knisterte der nie gelöschte Brand.
Sie ließen die geheimnisvollen Flämmchen des Zoroaster spielen, die neue Wahrheit und die alten Widersacher aus Licht und Finsternis zu deuten, sie schürten mit den Zangen der Spitzfindigkeit und fingen das Gezänk der Deutung an.