Bis er die Schriften des Paulus fand und daraus die Einfalt zu glauben lernte; der als ein Meister der Weisheit im Abendland Ruhm zu ernten gedachte, kam als ein Schüler der Demut zurück nach Karthago, sein Herz in der Stille der Wüste zu kühlen.
Da trat der sündige Mensch vor Gott und rang wie Jakob mit ihm um Erlösung, da stand vor dem glühenden Dornbusch des Glaubens der Zweifel, sein letztes Reis zu verbrennen, da riß eine Seele den Brunnen der Wüste auf, ihr Menschengesicht im Spiegel der Tiefe zu schauen.
Sie holten ihn auf den Stuhl des Bischofs von Hippo, Hirt und Herold der Kirche zu werden wie keiner; so wurde der Kirche der Mund der Inbrunst geschenkt und der paulinischen Lehre der hitzigste Streiter.
Als ewige Erbschaft war an die Schwelle der Menschheit die Sünde Adams gestellt, die Gnade Gottes allein vermochte den erbsündigen Menschen aus der Verdammnis zu lösen.
Die Gnade Gottes war der Kirche gegeben; sie war das Reich Gottes auf Erden über der Macht der weltlichen Staaten; bis das Weltgericht kam und das bunte Scheingewand der Welt in Flammen verzehrte, hielt sie der erbsündigen Seele die Gnadentür offen.
So sprach Augustinus, der Bischof von Hippo, der Kirche den Gnadenschatz zu, so sank der Stachel der Erbsünde ein in die Christengemeinde, mit ewiger Verdammnis die furchtsamen Herzen zu schrecken und mit der Verheißung des Himmels zu locken.
Nicäa
Was zu den Hirten von Bethlehem kam als himmlisches Licht, Gott in der Höhe zu Ehren, der Erde zum Frieden und den Menschen ein Wohlgefallen, war eine schwelende Brandfackel geworden der christlichen Rechtgläubigkeit.
An die dreihundert Bischöfe samt ihrem geistlichen Heerbann hielten Konzil zu Nicäa, den Punkt zu erzirkeln, wo zwischen der göttlichen Natur des Erlösers und dem menschlichen Dasein des Zimmermannssohnes sein Wesen als kirchlicher Lehrbegriff stände.
Noch war das düstere Wunder paulinischen Glaubens nicht unter Dach, noch stand das Opferlamm Gottes nicht auf dem Altar der beschworenen Glaubensartikel, noch war die Dreifaltigkeit nicht im Lehrgebäude der Kirche gesichert.