Die Erde war groß und der Himmel darüber gewölbt im unendlichen Raum, die Seele war klein und saß im Gefängnis der Sinne; sie harrte in Demut des leiblichen Todes, da sie eingehen würde zum ewigen Licht: aber der Zweifel suchte die sichtbare Welt nach Gewißheiten ab und fragte den Geist nach Beweisen.

Denn die Welt war alt, als Jesus von Nazareth kam: Götter waren gestürzt und irrten ihr unholdes Dasein zwischen Himmel und Erde; uralte Lehren des Morgenlandes hatten den Samen des Satans gestreut und dem Glauben die Netze gespannt, darin sich der Zweifel verfing.

Eines war not und eines die Wahrheit, Tausendes aber war falsch und führte hinaus aus dem Lichtkreis der kirchlichen Lehre.

Darum hielt die Scholastik der Kirche den Schatz der Gnade gerüstet mit Schwertern und Schilden; was die Kirchenväter dachten und schrieben, war in ihre wehrhafte Obhut getan.

Da standen sie alle die tausend Fragen, in das Licht der einen Antwort gestellt, da waren die listigen Schlingen des Satans spitzfindig gelöst, da hing die Grübelsucht unseliger Geister im eigenen Fürwitz verstrickt.

Alles war klüglich geordnet im kirchlichen Wohnhaus der Wahrheit, Glauben und Wissen hielten dem Geist und der Seele die Schaukel in sicherer Schwebe:

Gott war im Licht, der Satan im ewigen Abgrund; zwischen Himmel und Hölle glaubten und dachten Scholasten sich eins, gesichert im Gleichgewicht ewiger Hoffnung.

Die gotischen Dome

Waren es Priester oder war es die Sendung der christlichen Lehre, daß sie dem menschlichen Dasein das Antlitz verkehrte? daß sie die Erde zum Jammertal machte und den Himmel schmückte mit seligen Farben?