„Sie sind herrlich!“ sagte ich.
Ich wußte nicht mehr, was ich sprach. Ich hatte Fieber, nichts als Fieber, und Angst vor meinem einsamen Zimmer ...
Die Reihen ordneten sich wieder, man lachte, ärgerte sich und tanzte weiter. Die letzten Takte spielte die Dame am Klavier in rasendem Tempo. Man fand sich nicht mehr zurecht, und alles verwirrte sich. Ich lief umher, fühlte Schauer in meinem Körper und hatte das Bedürfnis, etwas zu zerbrechen. Der Quadrillenwalzer ertönte, man schloß sich in die Arme. Ich verbeugte mich vor Nina, aber sie dankte.
Ich führte sie aus dem Saal hinaus. Darauf ward es dunkel vor meinen Augen. Ich wurde schwindlig und hielt mich an einem Türpfosten. Mit einem Male war ein Bild vor mir: die Mittagssonne über einer teppichfarbenen Landschaft des mittleren Deutschlands, der Duft von Korn und gemähten Wiesen, und blaue Berge in der Ferne.
Nina lachte, ein singendes, verstehendes, unendlich grausames und süßes Lachen:
„Sie taumeln, Herr Regnitz! – Ist Ihnen schlecht?“
„Nina, ich liebe Sie.“
Ich sah sie an, – sie, dieses indische Götterbild mit den gesenkten, zur Betrachtung geneigten Augen, mit der unvergleichlich bleichen und edlen Stirne, mit den elfenbeinernen Händen und dem farbigen, wie von Edelstein und Gold blitzendem Gewande, sah diese Lippen aufeinander gepreßt, süß und streng, – bereit, Worte zu sprechen, die den Gläubigen vernichten oder aufheben:
„Sie sind verrückt.“
Sie ging fort, mit elastischem stolzem Schritt, wandte plötzlich den Kopf um, zeigte mir ein entzückend frisches und amüsiertes Mädchengesicht, lachte, lachte eine Reihe makelloser Töne, zog eine kleine goldene Uhr aus dem Gürtel, ließ den Deckel aufspringen und sagte: