O mein Gott, welch ein Gedanke, ich hatte Ferien, ich hatte fünf Wochen Ferien!

Ich eilte in das Badezimmer und öffnete dort die Brause. Da fiel mir mitten im kalten Wasser etwas ein ... Was war denn gestern geschehen? ... War nicht gestern etwas Besonderes vorgefallen? ... Ich war auf einer Gesellschaft gewesen ... bei Wolfgang Seyderhelm, ... dort befand sich eine junge Dame ... mit goldfarbenen Augen und feurigem Haar ... eine Art Gottheit ... ein Backfisch ... Wie hieß doch gleich diese Dame? ... Nun, wir wollen keine Komödie spielen, wir wissen sehr gut, wie diese Dame hieß ... Nina, ... jawohl, Nina hieß sie, ... und dann war ich aus der Gesellschaft weggelaufen ... und hatte mich blamiert, ... O weh! o weh!

Verwirrt streckte ich die Arme nach dem Kelch der Brause aus, ließ mir das Wasser ins Gesicht laufen und rief beglückt in das Geplätscher hinein: Süße Nina, süße Nina.

Ich sprang in das Badetuch und zog mich an. Ich sah das Sonnenlicht sich langsam über die Häuser senken. Hallo, war ich nicht jung? Meine Heimat, – ach, meine Heimat war überall da, wo es warme Landstraßen gab mit schönem weißem Staub, Kirschbäume, schwere Kornfelder. Nina, – ach, Nina war irgend eine junge Dame, ein Spuk, ein Ding ohne Zusammenhang mit meinem Leben ...

Ich nahm meinen Ranzen, stopfte Hemden, Strümpfe, die „Versuchung des Pescara“, Taschentücher, zwei alte Brötchen hinein und lief die Treppe hinunter.

Noch waren die Straßen leer. Hier und da zeigte sich ein verschlafen aussehender Bäckergeselle mit listigem Gesicht, ein mürrischer Arbeiter auf dem Rad, ein von der Nachtkälte durchfrorener Polizist, sonst niemand. In den einsamen Gassen hörte ich nur den Klang meiner Schritte und meines Stockes.

Bald hatte ich die letzten Häuser erreicht und sah meine Felder sich im Sommermorgenlicht ausbreiten.

Ich ging mit leichtem Fuß und leichtem Herzen die Landstraße hinunter. Es kamen Bauernwagen, die zum Markte in die Stadt fuhren, und neben den Kutschern saßen eifrig bellende Hunde, es kamen ganz, ganz kleine Mädchen, die sich an der Hand hielten und mit putziger Eilfertigkeit in ihre Schule trabten; eine Bäuerin tauchte auf, trug einen Korb mit Eiern auf dem Kopf und sah wie eine Bäuerin aus dem Bilderbuche aus; darauf eine Horde Jungens, die alle ohne Ausnahme nackte Füße und geflickte Hosen hatten, und endlich auch ein Mann mit einer Kuh und einem Hündchen.

Schon war ich im ersten Dorf. Dort war bereits jedermann auf den Beinen. Ein Fuhrmann kam mit der Peitsche in der Hand aus der Schenke, wischte sich den Bart und kletterte mit vielen unverständlichen Worten auf den Bock; ein schlanker Terrier lief bellend auf mich zu, – als ich ihm ein Stück meines Brots zeigte, sprang er an mir hoch; ein Kind lachte irgendwo, und ich wanderte weiter.

Die Sonne stieg. Mir zur Seite erschienen Dörfer mit Kirchtürmen und leuchtend weißen Grabsteinen und verschwanden hinter teppichweichen Hügeln.