Wir reiten zu dritt im abgekürzten Galopp – von Hans Kietschmann gefolgt – über eine jüngst gemähte Wiese, deren Heu naß und ohne Duft ist. Wir reiten Schulter an Schulter und achten streng darauf, daß die Linie eingehalten wird. Jeder von uns beschäftigt sich schweigend mit seinem Pferde, beobachtet den gebogenen Tierhals und übt auf jeden Druck den Gegendruck der Schenkel aus.

Manchmal sehe ich zu Nina hin. Das feurige Haar lodert wie eine Flamme, wie ein Triumph unter dem schwarzen Hut hervor; die weißen Kinderzähne beißen auf die feuchte Unterlippe, die unbedeckten Hände erfassen die Zügel des unruhigen Pferdes mit freudiger Kraft. Unausgesetzt richtet Nina die verliebten Blicke auf den Kopf des Pferdes, das in großzügiger Bewegung galoppiert. Ich sehe mit Vergnügen, daß der schlanke Körper mit den säulenstarken hohen Beinen und der jugendlichen weichen Brust sich entzückt der Bewegung des schnaubenden und wiehernden Tieres hingibt und niemals die Verbindung mit ihm verliert.

Es geschieht einige Male, daß Sekt sich nahe an meine Stute drängt und Ninas Fuß den meinen berührt.

Hatte ich nicht die ganze Nacht von der einen Minute geträumt, in der Nina ihren Fuß auf meine Hand setzen würde, um das Pferd zu besteigen? Und war ich nicht, als sie es wirklich getan, verwirrt und mit pochendem Herzen davongestürzt?

Sekts Gangart wird von Augenblick zu Augenblicke länger. Der Schimmel und seine Herrin freuen sich des wie unbegrenzten Raumes, der morgendlichen Luft und der würzigen Gerüche des Feldes.

Ich sehe unsicher zu Wolfgang hin, der immerfort mit tiefer Stimme auf den Schimmel einspricht:

„Ruhe! – Sekt! – Ruhe! – Ohlala – Ohlala!“

Meine Moissi geht leichtfüßig mit. Wolfgangs nicht so belebtem Fuchs wird es schwer, die Linie einzuhalten.

„Ruhe, Fräulein Nina!“ sage auch ich jetzt. „Bitte abgekürzter Galopp!“

Aber Nina hört nichts. Sie sieht verzückt, mit nassem, erregtem Munde und blinkenden Augen auf den Schimmel und beißt mit den weißen Zähnen auf die Lippe.