39A. Bemaltes Thonrelief der Madonna von Donatello.
Auf die erste Zeit nach der Rückkehr aus Rom geht wohl auch eine zweite für Cosimo ausgeführte Bronzestatue des David im Bargello zurück, die erste Statue der Renaissance, in der ein nackter jugendlicher Körper mit ähnlicher Frische und in der vornehmen Ruhe, wie in der Blütezeit der griechischen K unst wiedergegeben ist. Durch denselben Gönner erhielt Donatello um diese Zeit auch den Auftrag zur Ausschmückung der Sakristei von San Lorenzo, die sein Freund Brunellesco eben vollendet hatte. Die Büste des hl. Lorenz, vier große Medaillons mit reichen Kompositionen an der Wölbung, die vier Evangelisten in den Zwickeln, zwei Reliefs mit je zwei einzelnen Heiligen, sowie die beiden Bronzethüren sind hier von Donatello’s Hand und wurden wohl sämtlich noch vor seiner Abreise nach Padua vollendet.
38A. Bemalte Thonbüste des Johannes von Donatello.
Bei der Herstellung der Modelle für seine Bronzearbeiten, sowie bei den Skizzen für die Werke, welche Gehülfen ausführten, hatte Donatello Freude am Arbeiten in Thon bekommen, das ihm rasch von der Hand ging, seine Gedanken in voller Frische zum Ausdruck brachte und reiche Bemalung, wie er sie liebte, ermöglichte. In der Sakristei von San Lorenzo führte er daher alle Dekorationen der Decken und Wände in Thon aus. Gleichzeitig modellierte er in demselben Material eine Reihe von größeren Madonnenreliefs und Büsten. Die Berliner Sammlung besitzt eines dieser Madonnenreliefs, überlebensgroße Figuren, die durch ihre beinahe tadellos erhaltene prachtvolle Bemalung und Vergoldung ausgezeichnet sind (No. [39A]). Auch hat das Museum in der bemalten Thonbüste des jugendlichen Johannes (No. [38A]) eine den berühmten Büsten des Uzzano im Bargello und einer unbekannten Frau im South Kensington Museum in Auffassung und Behandlung nahe verwandte Werk aufzuweisen. Das Stuckrelief No. [46] (wohl eine verkleinerte Nachbildung der Zeit) bietet eine andere der besonders groß empfundenen Madonnenkompositionen dieser Epoche des Künstlers, von denen das Louvre und das Kensington Museum gleichfalls einige treffliche Beispiele besitzen.
46. Stuckrelief der Madonna von Donatello.
Alle diese etwa im Anfange der vierziger Jahre entstandenen Arbeiten, denen wohl auch die merkwürdige Bronzegruppe der Judith in der Loggia de’ Lanzi zu Florenz zuzuzählen ist, zeigen Donatello auf der Höhe der dramatischen Auffassung, in voller Beherrschung und freier künstlerischer Ausgestaltung jener inneren Erregung, die auch in der Einzelfigur so mächtig und doch so maßvoll sich ausdrückt; sie zeigen ihn zugleich auch in der formalen Durchbildung der Gestalt als vollen Meister, der sein Können mit feiner Mäßigung und vornehmem Geschmack zur Geltung bringt. Die Arbeiten dieser Zeit und die der folgenden Jahre, die ihnen eng verwandt sind, bezeichnen wohl den Höhepunkt der Kunst Donatello’s und der ganzen Frührenaissance.
∗ Reiterstatue des Gattamelata von Donatello in Padua.