141. Bemalte Stuckbüste des Gio. Rucellai von einem unbekannten Florentiner um 1460.

Die figürlichen Darstellungen an diesen Monumenten wie seine rein figürlichen Bildwerke; die große Lünette und die beiden Heiligenfiguren an der Fassade der Misericordia zu Arezzo (von 1434 u. 1435) und die Gruppe der Verkündigung in S. Francesco zu Empoli (vom Jahre 1447) haben noch etwas Schwerfälliges in Form und Bewegung und eine gewisse stumme Befangenheit im Ausdruck. Damit verbinden sie aber einen wirkungsvollen Ernst, eine wie mühsam verhaltene Empfindung und inbrünstige Begeisterung, weiche, wenn auch etwas motivlose Faltenbildung in den vollen Gewändern und feine naturalistische Behandlung des Fleisches, namentlich in den schönen Köpfen. Die einzige Arbeit in der Berliner Sammlung, die sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auf diesen Künstler zurückführen läßt, ist ein Stuckrelief, Maria, das Kind anbetend (No. 73A), das in den Typen und in der weichen unbestimmten Behandlung der Gewandfalten die Merkmale Bernardo’s aufweist; doch ist die Komposition offenbar abhängig von der auf Donatello’s Schule zurückgehenden Anbetung des Kindes (No. 47).

65A. Marmorrelief der Madonna von Ant. Rossellino.

Bernardo’s jüngster Bruder Antonio Rossellino (1427 bis 1478), an seinem letzten Denkmal, dem Grabmal Lazzari in Pistoja, urkundlich sein Mitarbeiter, erscheint auch nach dem Charakter seiner Bildwerke, namentlich der Jugendarbeiten, als ein Schüler seines Bruders. Er sucht zuerst außerhalb Florenz seine Sporen zu verdienen: 1457 arbeitet Antonio am Sebastianaltar in Empoli und im folgenden Jahre vollendet er den Marmorschrein des Beato Marcolini, jetzt im Museum zu Forlì. In beiden Arbeiten ist er schon voller Meister und seinem Bruder überlegen durch freiere Bewegung und feineres Naturverständnis, das sich namentlich in der weichen, geschmackvollen Behandlung der Gewandung und in der meisterhaften Wiedergabe des Fleisches bekundet. Die Statue des Sebastian in Empoli ist eine der schönsten Freifiguren der Frührenaissance.

Solche Arbeiten mußten dem Künstler auch in der Heimat, wo sie sehr wahrscheinlich ausgeführt wurden, rasch Ansehen verschaffen und Aufträge zuführen. Im Jahre 1461 wurde ihm in der That ein solcher in großartiger Form zu Teil: der Bau der Grabkapelle für den 1459 jung verstorbenen Kardinal von Portugal mit seinem Grabmal in San Miniato al Monte. Antonio hat diese Aufgabe in einer Weise gelöst, daß die Kapelle, obgleich seines Altarbildes von Piero Pallajuolo beraubt, noch heute mit Recht als ein Schmuckkästchen Florentiner Quattrocentokunst berühmt ist, und das Grabmal, wenn nicht als das großartigste, so doch als das reizvollste Grabmonument der Renaissance gelten darf. Erscheint schon in der Gestalt des auf dem Paradebett ausgestreckten Verstorbenen der Tod nur als ein sanfter Schlaf, als ein Ausruhen zu neuem Leben, so ist die überirdische Freude des zukünftigen Lebens auf köstliche Weise in der Schar der Engel zum Ausdruck gebracht, von denen die einen die Madonna mit dem Christkind in der Mandorla zu dem Verstorbenen herabtragen, die anderen mit der Krone zu seiner Seite knien. Beide Motive: Tod und Leben, kommen in sinniger, wirkungsvoller Weise auch im architektonischen Aufbau und in der Dekoration zur Geltung.

Dieser Arbeit, welche den Meister wohl eine Reihe von Jahren fast ausschließlich beschäftigte, folgten verschiedene größere und kleinere Madonnenreliefs in Marmor, wie die große Madonna del latte in Sa. Croce, das durch seine reiche Umrahmung ausgezeichnete Relief in Solarolo, ein kleineres Relief im Museum zu Wien und ein zweites im Bargello, endlich das Rundrelief der Anbetung ebenda und eine Umarbeitung dieser Komposition zu einem reich gegliederten, höchst sauber durchgearbeiteten Altar in der Kirche Montoliveto zu Neapel. Für seine Meisterschaft und seinen Geschmack in der Wiedergabe der vollen Individualität geben zwei gleichzeitig (1468) entstandene Marmorbüsten älterer Männer im Bargello und im South Kensington Museum das glänzendste Zeugnis. Sein besonderes Talent für die Darstellung des Kindes bekunden eine Anzahl Kinderbüsten in der Chiesa de’ Vanchettoni zu Florenz, im Bargello, im Pal. Martelli, im Medaillenkabinet, bei G. Dreyfuß zu Paris und in der Sammlung Hainauer in Berlin, sämtlich in Marmor. Einige Thongruppen der Maria mit dem Kinde, wahrscheinlich Modelle für größere Marmorarbeiten, erscheinen durch die Auffassung des Kindes beinahe wie Genredarstellungen. Die köstlichste dieser Gruppen ist die Madonna mit dem lachenden Kinde im South Kensington Museum.

149A. Bemalte Thonbüste der hl. Elisabeth von Ant. Rossellino.

Wie Antonio in seiner früheren Zeit zur Fertigstellung eines Monuments berufen wurde, über das sein Bruder hingestorben war (Grabmal Lazzari in Pistoja, vollendet 1468), so hat er selbst einen großen Auftrag, den er von Neapel aus erhielt, das Grabmal der 1470 verstorbenen Maria von Arragonien für die Chiesa di Montoliveto, nur noch anfangen können. Die Ausführung dieses Monuments, für welches das Grabmal des Kardinals von Portugal ausdrücklich als Vorbild ausbedungen war, ist in allen wesentlichen Teilen von der Hand des Benedetto da Majano.