Menenius.
Seht ihr dort jenen Vorsprung am Kapitol? jenen Eckstein?
Sicinius.
Warum? Was soll er?
Menenius. Wenn es möglich ist, daß Ihr ihn mit Euerm kleinen Finger von der Stelle bewegt, dann ist einige Hoffnung, daß die römischen Frauen, besonders seine Mutter, etwas bei ihm ausrichten können.— Aber! ich sage, es ist keine Hoffnung; unsre Kehlen sind verurteilt und warten auf den Henker.
Sicinius. Ist es möglich, daß eine so kurze Zeit die Gemütsart eines Menschen so verändert?
Menenius. Es ist ein Unterschied zwischen einer Raupe und einem Schmetterling; und doch war der Schmetterling eine Raupe. Dieser Marcius ist aus einem Menschen ein Drache geworden, die Schwingen sind ihm gewachsen, er ist mehr als ein kriechendes Geschöpf.
Sicinius.
Er liebte seine Mutter von Herzen.
Menenius. Mich auch. Aber er kennt jetzt seine Mutter sowenig als ein achtjähriges Roß. Die Herbigkeit seines Angesichts macht reife Trauben sauer. Wenn er wandelt, so bewegt er sich wie ein Turm, und der Boden bebt unter seinem Tritt. Er ist imstande, einen Harnisch mit seinem Blick zu durchbohren; er spricht wie eine Glocke, und sein "Hm" ist eine Batterie. Er sitzt da in seiner Herrlichkeit wie ein Abbild Alexanders. Was er befiehlt, das geschehen soll, das ist schon vollendet, indem er es befiehlt. Ihm fehlt zu einem Gotte nichts als Ewigkeit und ein Himmel, darin zu thronen.
Sicinius.
Doch, Gnade, wenn Ihr ihn richtig beschreibt.
Menenius.
Ich male ihn nach dem Leben. Gebt nur acht, was für Gnade seine
Mutter mitbringen wird. Es ist nicht mehr Gnade in ihm als Milch
in einem männlichen Tiger; das wird unsre arme Stadt empfinden.—
Und alles dies haben wir euch zu danken.
Sicinius.
Die Götter mögen sich unser erbarmen!