Arzt.
Reden Sie selbst, Madame, izt ist es am gelegensten.
Cordelia.
Wie befindet sich mein Königlicher Herr? wie steht es um Euer
Majestät?
Lear. Ihr handelt nicht recht an mir, mich so aus meinem Grabe zu nehmen; du bist ein seliger Geist, und ich bin an ein feuriges Rad gebunden, welches meine eignen Thränen gleich zerschmolznem Bley erhizen.
Cordelia.
Mylord, kennet ihr mich?
Lear.
Du bist ein Geist, ich weiß es; wenn starbest du?
Cordelia.
Immer, immer, noch weit—
Arzt.
Er ist noch nicht recht erwacht; lassen Sie ihn eine Weile allein.
Lear. Wo bin ich gewesen? Wer bin ich? Schönes Tageslicht! Ich bin übel zugerichtet—einen andern so zu sehen, könnte mich vor Mitleiden sterben machen. Ich weiß nicht was ich sagen soll; ich wollte nicht schwören, daß dieses meine Hände sind; laßt sehen, ich fühle diesen Nadelstich—Ich wollte, ich wäre gewiß was ich bin.
Cordelia. O sehet mich an, Mylord, und streket eure Hand zum Segen über mich aus. Nein, Mylord, ihr müßt nicht knien.
Lear. Ich bitte euch, spottet meiner nicht. Ich bin ein sehr thörichter weichherziger alter Mann, achtzig und drüber, und, aufrichtig zu seyn, ich fürchte, ich bin nicht bey meinem völligen Verstande. Mich dünkt, ich sollte euch und diesen Mann kennen, und doch zweifle ich; denn ich weiß gar nicht was für ein Ort diß ist, und so sehr ich auch mich besinne, kenne ich diese Kleider nicht; nein, ich weiß nicht, wo ich in der lezten Nacht übernachtete. Lacht nicht über mich, denn, so wahr ich ein Mann bin, ich denke diese Dame ist mein Kind Cordelia.