Dritter Auftritt.
Edmund. Beyden Schwestern habe ich meine Liebe zugeschworen, jede ist auf die andre so eifersüchtig als die Gestochenen über die Schlange. Welche von beyden soll ich nehmen? Beyde? Eine? oder keine von beyden? Keine kan genossen werden, wenn beyde beym Leben bleiben. Nehme ich die Wittwe, so wird Gonerill bis zum Unsinn aufgebracht, und so lange ihr Gemahl lebt, werd ich schwerlich meine Absicht ausführen können. Wohlan dann, wir bedörfen seines Ansehens bey dem Treffen; ist dieses geendiget, so mag diejenige, die seiner los seyn möchte, zusehen wie sie ihm beykommen kan. Was die Gnade betrift, die er gegen Lear und Cordelia im Sinn hat, wofern sie in unsre Gewalt kommen, so sollen sie gewiß nichts davon sehen; denn mein Interesse ist auszuparieren, nicht anzugreiffen.
(Geht ab.)
Vierter Auftritt.
(Ein Getümmel und Trompeten-Stoß hinter der Schaubühne.)
(Lear, Cordelia und Soldaten ziehen mit Trummeln und Fahnen über
die Scene, und gehen wieder ab.)
(Edgar und Gloster treten auf.)
Edgar. Hier, Vater, ruhet unter dieses Baumes wirthlichem Schatten aus, und bittet für den Fortgang der gerechten Sache. Ich komme gar nicht wieder zurük, oder ich bringe euch eine tröstliche Zeitung mit.
Gloster.
Gott steh euch bey, Sir.
(Edgar geht ab.)
(Trompeten-Schall, Gefecht und Flucht hinter der Bühne.)
Edgar tritt wieder auf.)
Edgar.
Laß uns fliehen, alter Mann; gieb mir deine Hand, laß uns fliehen.
König Lear hat verlohren, er und seine Tochter sind gefangen; Gieb
mir deine Hand, komm!