Kent (tritt auf, verkleidet.) Wenn ich eben sowol einen andern Accent und eine langsamere Aussprache annehmen kan, als ich meine Gestalt verändert habe, so kan meine gute Absicht vielleicht zu dem völligen Endzwek kommen, um dessentwillen ich meine Person verläugne. (Man hört Hifthörner. Lear, seine Ritter und Bediente treten auf.)

Lear. Laßt mich nicht einen Augenblik auf das Mittag-Essen warten. Geht, macht es fertig. Wie nun, wer bist du?

(Zu Kent.)

Kent.
Ein Mann, Sir.

Lear.
Wofür giebst du dich? was willt du bey uns?

Kent. Ich gebe mich für nicht weniger, dann ich scheine; für einen, der demjenigen treulich dienen will, der mich in Pflicht nimmt, der ehrliche Leute liebt, und mit vernünftigen Leuten gern umgeht; der nicht viel spricht, weil er sich vor Tadel fürchtet; der ficht, wenn er's nicht vermeiden kan, und keine Fische ißt.*

Lear.
Wer bist du?

Kent.
Ein recht ehrlicher gutherziger Kerl, und so arm als der König.

Lear.
Wenn du für einen Unterthanen so arm bist, als er es für einen
König ist, so bist du arm genug. Was willt du?

Kent.
Dienste.