Gonerill.
Ich bitte euch, seyd ruhig—Wie? Oswald; hO! Ihr, Sir, mehr
Spizbube als Narr, folgt euerm Herrn.

Narr.
Nonkel Lear, Nonkel Lear! warte, nimm den Narren mit dir. Ein
Fuchs, wenn jemand einen gefangen hat, und eine solche Tochter
sollten beyde erdrosselt werden, wenn ich für meine Kappe einen
Strik kauffen könnte; und hiemit zieht der Narr ab.

(Geht ab.)

Gonerill. Dieser Mann hat gute Anschläge!—Hundert Ritter? das wäre politisch, und sicher, ihn hundert Ritter halten zu lassen— Wahrhaftig! damit er wegen eines jeden Traums, einer jeden Grille, jeder kleinen Beschwerung oder Unzufriedenheit wegen, seinen Aberwiz durch ihre Macht schüzen, und unser Leben in seiner Willkühr haben könnte—Oswald, sag ich!

Albanien.
Eure Furcht kan zu weit gehen—

Gonerill. Es ist sicherer, als zuviel trauen. Laßt mich immer die Kränkungen die ich befürchte, aus dem Wege räumen, anstatt immer zu fürchten, daß ich gekränkt werde. Ich kenne sein Herz; ich habe meiner Schwester geschrieben, was für Reden er ausgestossen hat; wenn sie ihn mit seinen hundert Rittern unterhalten wird, nachdem ich ihr die Unschiklichkeit davon gezeigt haben werde. — (Der Haushofmeister kömmt.) Wie steht es, Oswald? Habt ihr den Brief an meine Schwester geschrieben?

Hofmeister.
Ja, Gnädige Frau.

Gonerill. Nehmet einige Leute mit euch, und ohne Verzug zu Pferde; berichtet sie umständlich von allen meinen Besorgnissen, und füget solche Gründe von euern eignen bey, die zu derselben Bestätigung dienen können. Eilet, und beschleuniget eure Rükkunft.

(Der Hofmeister geht ab.)

Nein, nein, Mylord, ob ich gleich diese milchigte Gelindigkeit eurer Gemüthsart nicht schelten will, so werdet ihr doch, mit Erlaubniß, mehr wegen Mangel an Klugheit getadelt, als wegen dieser harmlosen Mildigkeit gepriesen.