Narr (indem er aus der Hütte herausläuft.)
Geh nicht hinein, Nonkel, es ist ein Geist drinn; Hülfe, Hülfe!
Kent.
Gieb mir deine Hand; was ists?
Narr.
Ein Geist, ein Geist! er sagt, er heisse der arme Tom.
Kent.
Wer bist du, der hier im Stroh winselt? Hervor!
Sechster Auftritt.
(Die vorigen, Edgar in einen tollen Menschen verkleidet.)
Edgar. Aus dem Wege, der böse Feind folgt mir. Durch den scharfen Hagdorn bläßt der kalte Wind. Hans, geh in dein Bett und wärme dich.
Lear. Gabst du deinen Töchtern Alles, daß du in diesen Zustand gekommen bist?
Edgar. Wer giebt dem armen Tom etwas? den der böse Feind durch Feuer und Flammen, durch Furthen und Strudel, durch Sumpf und Pfuhl geführt hat; der Messer unter sein Küssen und Strike unter seinen Siz gelegt hat; der Mäusgift in seine Suppe gethan, und ihn übermüthig gemacht hat, auf einem braunrothen Gaul zu trotten, über vier zollbreite Brüken seinem eignen Schatten als einem Verräther nachzujagen—Gott behüte deine fünf Sinnen; Tom friert. O da, di, da, di, da, di,—Gott behüte dich vor Wirbel-Winden, bösen Sternen und Gefangenschaft; gebt dem armen Tom etwas Almosen, den der böse Feind plagt—Hier möcht ich ihn izt haben, und da, und wieder hier und dort.
Lear. Wie? Haben seine Töchter ihn dahin gebrach t? Konntest du nichts davon bringen? gabst du ihnen Alles?
Narr. Nein, er behielt sich eine Windel vor, sonst wären wir alle beschämt worden.