(Er reißt seine Kleider auf.)
Narr.
Ich bitte dich, Nonkel, sey ruhig; es ist keine hübsche Nacht zum
Schwimmen. Ein kleines Feuer in einem Wald wäre izt gerade wie
eines alten Hurenjägers Herz, ein Fünkchen, und der ganze übrige
Leib kalt; sieh, hier kömmt ein feuriger Mann.
Edgar. Es ist der böse Flibbertigibbet, er fängt an wenn die Nachtgloke geläutet wird, und geht bis der Hahn kräht; er verursachet den Staar, macht schielende Augen, und Hasen-Scharten, milthaut den weissen Weizen, und stoßt die armen Geschöpfe auf der Erde. Sanct Withold u.s.w.*
{ed.-* Hier singt Edgar im Original etliche altenglische Reime, davon ungefehr der Inhalt, daß Sanct Withold indem er bey Nacht herumgespaziert, die Nachtfrau (Night-Mare) angetroffen, und genöthiget habe, die Leute welche sie im Schlaf zu drüken pflegt, in Ruhe zu lassen. Diese Begebenheit ist aus der Legende dieses Heiligen genommen, der deswegen als ein Schuzpatron wider den Alp angeruffen zu werden verdiente, so wie diese Reime als eine Art von Beschwörung wider die vermeynte Nachtfrau von dem gemeinen Volke gebraucht wurden.
Siebender Auftritt.
(Gloster kömmt mit einer Fakel.)
Lear.
Wer ist der?
Kent.
Wer ist hier? was sucht ihr?
Gloster.
Wer seyd ihr selbst? wie heißt ihr?
Edgar. Der arme Tom, der den schwimmenden Frosch ißt, die Kröte, die Mauer- Eidexe, und die Wasser-Eidexe, der in der Wuth seines Herzens, wenn der böse Feind raset, Kühfladen für Salat ißt, alte Razen und todte Hunde verschlukt, und den grünen Mantel des stehenden Sumpfes trinkt, der von Haus zu Haus gepeitscht, in den Stok gesezt und eingesperrt wird; der drey Kleider für seinen Rüken gehabt hat, sechs Hemder für seinen Leib, ein Pferd zum reiten, und einen Degen zum tragen;
Aber Razen und Mäuse und solche Waar,
Sind nun Tom's Speise seit sieben Jahr.