Narr. Nein, er ist ein Bauer, der einen Edelmann zum Sohn hat; denn das ist ein wahnwiziger Bauer, der seinen Sohn für einen Edelmann ansieht.
Lear*. {ed.-* Hier folgen in der ersten Ausgabe etliche Reden im tollhäusischen Geschmak, welche Shakespearevermuthlich selbst in den folgenden weggelassen hat; und welche, wenn es auch möglich wäre sie zu übersezen, den wenigsten Lesern dieser Mühe würdig scheinen würden. Die lezte, welche Lear sagt, ist die einzige, in der man den Shakespearewieder erkennt.}
—Laßt sie Regan anatomiren—Seht, was in ihrem Herzen ausgebrütet wird—Ist irgend eine Ursache in der Natur, die solche harte Herzen macht? Euch, Sir, unterhalt' ich für einen von meinen Hundert; nur steht mir der Schnitt euerer Kleider nicht an; man sollte denken, sie wären persianisch; aber laßt sie ändern. (Gloster kommt zurük.)
Kent.
Nun, mein gütiger Lord, legt euch hier und ruhet eine Weile.
Lear. Macht kein Getöse, macht kein Getöse, zieht die Vorhänge. So, so, wir wollen morgen früh zum Nacht-Essen gehen.
Narr.
Und ich will des Mittags zu Bette gehen.
Gloster.
Kommt hieher, Freund; wo ist der König, mein Herr?
Kent.
Hier, Sir, aber beunruhigt ihn nicht; sein Verstand ist dahin.
Gloster. Guter Freund, ich bitte dich, nimm ihn in deine Arme; (ich habe etwas von einem Anschlag wider sein Leben gehört;) es ist eine Sänfte bereit, trag ihn hinein, und eile nach Dover, Freund, wo du beydes, Aufnahm und Schuz, finden wirst. Nimm deinen Herrn auf die Schultern; wenn du nur eine halbe Stunde säumest, so ist sein Leben und deines und eines jeden, der ihn vertheidigen wollte, unfehlbar verlohren. Fort, mache fort, nimm ihn auf deine Schultern, und folge mir; ich will dir einen Wegweiser mitgeben—
Kent. Die unterdrukte Natur schläft. Diese Ruhe möchte ein Balsam für deine verwundeten Sinnen gewesen seyn, die, wie ich besorge, ohne eine günstige Veränderung der Umstände, unheilbar sind. Komm,