Zweyter Auftritt.
(Des Herzogs von Albanien Palast.)
(Gonerill und Edmund.)
Gonerill. Seyd willkommen, Mylord; mich wundert, daß mein sanftmüthiger Mann uns nicht entgegen gegangen ist. (Der Hofmeister kömmt.) Nun, wo ist euer Herr?
Hofmeister. Gnädige Frau, er ist drinnen; aber so verändert, daß es kaum glaublich ist; ich sagte ihm, die Feinde seyen angeländet; er lächelte dazu. Ich sagte ihm, Euer Gnaden kommen wieder an; desto schlimmer, war seine Antwort. Als ich ihm von Glosters Verrätherey und von der Treue seines Sohns Nachricht gab, nannte er mich einen Dummkopf, und sagte mir, ich hätte die schlimme Seite herausgekehrt. Was ihm am unangenehmsten seyn sollte, scheint ihm zu gefallen; und was ihm gefallen sollte, beleidigt ihn.
Gonerill (zu Edmund.) So sollt ihr nicht weiter gehen. Es ist nichts, als die feige Zaghaftigkeit seines Geistes, welcher nicht Muth genug hat etwas zu unternehmen: Er wird keine Beleidigung fühlen, die ihn zu einer Antwort nöthigte. Auf diese Art können unsre Wünsche zur Erfüllung kommen. Zurük, Edmund, zu meinem Bruder; beschleunige dich, mustre seine Völker und führe sie an. Hier zu Hause muß ich die Waffen wechseln, und meinem Manne die Spindel in die Hand geben. Dieser getreue Diener soll unser Verständniß unterhalten; ihr sollt in kurzem von mir hören, wenn ihr Herz genug habt zu euerm eignen Vortheil, den Befehl einer Geliebten zu wagen. Traget diß
(sie giebt ihm ich weiß nicht was,)
sparet die Worte,
(leise)
drehet den Kopf ein wenig—Dieser Kuß, wenn er reden dürfte, würde deine Lebensgeister in die Höhe treiben—Verstehe mich und lebe wohl.
Edmund.
Der Eurige bis in den Tod.
Gonerill.
Mein allerliebstes Gloster.