Edelmann. Umstände, welche seine Abwesenheit in seinem Königreiche dem Staat gefährlich machen, haben seine schleunige Rükreise nöthig gemacht.

Kent.
Wen hat er zum Feldherrn zurükgelassen?

Edelmann.
Den Marschall von Frankreich, Monsieur le Far.

Kent.
Brachten eure Briefe die Königin zu einiger Äusserung von
Bekümmerniß?

Edelmann. Ja, Sir, sie nahm sie und laß sie in meiner Gegenwart, und zu verschiednen malen rollte eine grosse Thräne über ihre sanften Wangen; es schien, sie sey Königin über ihren Affect, der auf eine ganz rebellische Weise König über sie zu seyn suchte.

Kent.
So rührte es sie also?

Edelmann. Aber nicht zum Zorn. Geduld und Schmerz stritten mit einander, welches von beyden ihrem Gesicht den schönsten Ausdruk geben könnte; ihr habt Sonnenschein und Regen zugleich gesehen—ihr Lächeln, und ihre Thränen schienen wie ein nasser May. Dieses anmuthsvolleste Lächeln das um ihre reiffen Lippen spielt, schien nicht zu wissen, was für Gäste in ihren Augen wären, die aus denselben wie Perlen von Diamanten, herunter tröpfelten—Kurz, der Schmerz würde die liebenswürdigste Sache von der Welt werden, wenn er allen so anstünde wie ihr.

Kent.
Aber gab sie ihn nicht in Worten zu erkennen?

Edelmann. Ein oder zweymal seufzte sie aus beklemmten, langsam emporathmender Brust den Namen Vater hervor, rief zu verschiednen Malen— Schwestern! Schwestern!—Schandfleke euers Geschlechts! Schwestern! Kent! Vater! Schwestern! wie? Im Sturm? in einer solchen Nacht? Laßt die Menschlichkeit es niemals glauben!—Hier schüttelte sie das heilige Wasser aus ihren himmlischen Augen; und in einer Bewegung, als ob es ihr unmöglich sey, den lautesten Ausbruch des Schmerzens zurük zu halten, fuhr sie auf und eilte in ihr Cabinet, ihrer Empfindung freyen Lauf zu lassen.

Kent. Die Sterne sind's, die Sterne über uns, die unsre Zufälle bestimmen, sonst könnte unmöglich eben dasselbige Paar so ungleiche Kinder zeugen. Sprach sie mit euch seit diesem?