Salarino.
Da kommt Lorenzo, mehr hievon nachher.
Lorenzo.
Entschuldigt, Herzensfreunde, den Verzug:
Nicht ich, nur mein Geschäft hat warten lassen.
Wenn ihr den Dieb um Weiber spielen wollt,
Dann wart ich auch so lang auf euch.—Kommt näher!
Hier wohnt mein Vater Jude—He! wer da?
(Jessica oben am Fenster in Knabentracht.)
Jessica.
Wer seid Ihr? sagt's zu mehrer Sicherheit,
Wiewohl ich schwör, ich kenne Eure Stimme.
Lorenzo.
Lorenzo und dein Liebster.
Jessica.
Lorenzo sicher, und mein Liebster, ja!
Denn wen lieb ich so sehr? Und nun, wer weiß
Als Ihr, Lorenzo, ob ich Eure bin?
Lorenzo.
Der Himmel und dein Sinn bezeugen dir's.
Jessica.
Hier, fang dies Kästchen auf, es lohnt die Müh.
Gut, daß es Nacht ist, daß Ihr mich nicht seht,
Denn ich bin sehr beschämt von meinem Tausch;
Doch Lieb ist blind, Verliebte sehen nicht
Die artgen Kinderein, die sie begehen;
Denn könnten sie's, Cupido würd erröten,
Als Knaben so verwandelt mich zu sehn.
Lorenzo.
Kommt, denn Ihr müßt mein Fackelträger sein.
Jessica.
Was? muß ich selbst noch leuchten meiner Schmach?
Sie liegt fürwahr schon allzusehr am Tage.
Ei, Lieber, 's ist ein Amt zum kundbar machen;
Ich muß verheimlicht sein.