Miranda. Ihr habt oft angefangen mir sagen zu wollen, was ich sey, aber wieder inngehalten, und mich einem eiteln Nachsinnen überlassen, indem ihr allemal damit schlosset, halt! noch nicht—

Prospero. Die Stund' ist nun gekommen, und es ist keine Minute mehr zu verliehren. Höre dann und sey aufmerksam. Erinnerst du dich einer Zeit, eh wir in diese Celle kamen? Ich denke nicht, daß du es kanst; denn du warst damals noch nicht volle drey Jahre alt.

Miranda.
Ja, mein Herr, ich kan.

Prospero. Wobey dann? Bey irgend einem Haus oder einer Person? Sage mir, was es auch seyn mag, dessen Bild in deinem Gedächtniß geblieben ist.

Miranda.
Es ist in einer tiefen Entfernung, und eher einem Traum als einer
Gewißheit gleich, was mir die Erinnerung vorstellt. Hatte ich
nicht einst vier oder fünf Weiber, die mir aufwarteten?

Prospero. Du hattest, und mehr, Miranda. Aber wie kommt es, daß diß noch in deinem Gemüthe lebt? Was siehst du noch mehr in dem tiefen Abgrund der verflossenen Zeit? Wenn du dich noch an etwas erinnerst, eh du hieher kamst, so wirst du dich auch erinnern, wie du hieher kamst.

Miranda.
Nein, das thue ich nicht.

Prospero.
Es sind nun zwölf Jahre seit dieses geschah, Miranda; zwölf Jahre,
seit der Zeit, da dein Vater Herzog von Meiland und ein mächtiger
Fürst war.

Miranda.
Mein Herr, seyd ihr dann nicht mein Vater?

Prospero. Deine Mutter war ein Muster der Tugend, und sie sagte, du seyest meine Tochter; und dein Vater war Herzog von Meiland, und du seine einzige Erbin.