Adriana. Ich will meinem Mann schon abwarten, ich will seine Krankenwärterin seyn, es ist (meine) Pflicht; ich will keine andre Wärterin bey ihm leiden, als mich selbst; und also gestattet, daß ich ihn mit nach Hause nehme.
Abbtissin. Geduldet euch, ich werd' ihn ganz gewiß nicht fortlassen, bis ich meine bewährten Mittel an ihm versucht haben werde. Gesunde Säfte, Tränke und heilige Fürbitten, werden ihn, wie ich hoffe, in den gehörigen Stand wieder herstellen; es ist eine Pflicht der Christlichen Milde, die mein Ordens-Gelübde mir auflegt; begebt euch also weg, und laßt ihn hier bey mir.
Adriana.
Ich will nicht fort, und meinen Mann hier lassen; es steht Euer
Hochwürden sehr übel an, Mann und Weib von einander trennen zu
wollen.
Abbtissin.
Sey ruhig und geh', du sollst ihn nicht haben.
Luciana.
Beschwert euch bey dem Herzog über diese Gewaltthätigkeit.
(Die Abbtissin geht ab.)
Adriana. Kommt mit mir; ich will ihm zu Füssen fallen, und nicht aufstehen, bis meine Thränen und Bitten Se. Durchlaucht gewonnen haben, in eigner Person hieher zu kommen, und meinen Mann der Abbtißin mit Gewalt abzunehmen.
Kauffmann. Ich seh' an der Uhr, daß es bald fünfe seyn wird; ich bin versichert, der Herzog wird nicht lange mehr verziehen, in Person diesen Weg zu kommen, zu dem melancholischen Thal hinter den Gräben der Abbtey hier, wo die zum Tode Verurtheilten gerichtet zu werden pflegen.
Angelo.
Warum dieses?
Kauffmann.
Um einen Syracusischen Kauffmann sterben zu sehen, der unglüklicher
Weise gegen die Geseze dieser Stadt, hier angeländet ist, und
deßwegen den Kopf verliehren muß.