Lysander.
Im Ernst, so wahr ich lebe!
Und nie begehrt ich wieder dich zu sehn.
Drum gib nur Hoffnung, Frage, Zweifel auf!
Sei sicher, nichts ist wahrer, 's ist kein Scherz:
Ich hasse dich und liebe Helena.
Hermia.
Weh mir!—Du Gauklerin! du Blütenwurm!
Du Liebesdiebin! Was? du kamst bei Nacht,
Stahlst meines Liebsten Herz!
Helena.
Schön, meiner Treu!
Hast du denn keine Scheu, noch Mädchensitte,
Nicht eine Spur von Scham? Und zwingst du so
Zu harten Reden meine sanften Lippen?
Du Marionette, pfui! du Puppe, du!
Hermia.
Wie? Puppe? Ha, nun wird ihr Spiel mir klar:
Sie hat ihn unsern Wuchs vergleichen lassen—
Ich merke schon—auf ihre Höh getrotzt.
Mit ihrer Figur, mit ihrer langen Figur
Hat sie sich seiner, seht mir doch! bemeistert.
Und stehst du nun so groß bei ihm in Gunst,
Weil ich so klein, weil ich so zwerghaft bin?
Wie klein bin ich, du bunte Bohnenstange?
Wie klein bin ich? Nicht gar so klein, daß nicht
Dir meine Nägel an die Augen reichten.
Helena.
Ihr Herrn, ich bitt euch, wenn ihr schon mich höhnt,
Beschirmt mich doch vor ihr. Nie war ich böse,
Bin keineswegs geschickt zur Zänkerin;
Ich bin so feig wie irgend nur ein Mädchen.
Verwehrt ihr, mich zu schlagen; denket nicht,
Weil sie ein wenig kleiner ist als ich,
Ich nähm es mit ihr auf.
Hermia.
Schon wieder kleiner?
Helena.
Seid, gute Hermia, nicht so bös auf mich,
Ich liebt Euch immer, hab Euch nie gekränkt,
Und stets bewahrt, was Ihr mir anvertraut;
Nur daß ich, dem Demetrius zuliebe,
Ihm Eure Flucht in diesen Wald verriet.
Er folgte Euch, aus Liebe folgt ich (ihm);
Er aber schalt mich weg und drohte, mich
Zu schlagen, stoßen, ja zu töten gar;
Und nun, wo Ihr mich ruhig gehen laßt,
So trag ich meine Torheit heim zur Stadt
Und folg Euch ferner nicht. O laßt mich gehn!
Ihr seht, wie kindisch und wie blöd ich bin.
Hermia.
Gut, zieht nur hin! Wer hindert Euch daran?
Helena.
Ein töricht Herz, das ich zurück hier lasse.
Hermia.
Wie? Bei Lysander?