Hippolita. Ich sehe nicht gerne die Unglükseligkeit die unter ihrer Last einsinkt, und die Pflicht, die in ihrem Dienst zu Grunde geht.
Theseus.
Wie, holde Liebe, du sollt nichts dergleichen seh'n.
Hippolita.
Er sagt, sie können nichts in dieser Art.
Theseus. Desto gütiger sind wir, wenn wir ihnen für Nichts danken. Unsere Lust wird seyn, zu verstehen, was sie mißverstehen; ein großmüthiger Sinn schäzt das was die arme willige Pflicht thut, nach dem Vorsaz, nicht nach dem Werth. Wie ich hieher kam, hatten sich grosse Gelehrte vorgesezt, mich mit studierten Glükwünschen zu begrüssen; ich sah sie zittern und bleich werden, mitten in einem Saz Perioden machen, ihren gekünstelten Accent vor Angst erstiken, und zulezt auf einmal verstummen, ehe sie mich nur willkommen geheissen. Glaubet mir, meine Angenehmste, aus diesem Stillschweigen selbst brachte ich einen Willkomm heraus; und die Bescheidenheit der schüchternen Pflicht sagte mir mehr, als die rasselnde Zunge der unverschämten und zuversichtlichen Beredsamkeit. Mit einem Wort, Liebe und unberedte Einfalt reden für mich am verständlichsten. (Philostratus kömmt.)
Philostratus.
Der Prologus ist fertig, wenn es Euer Hoheit gefällt.
Theseus.
Laßt ihn auftreten.
Zweyter Auftritt.
(Squenz tritt als Vorredner auf.)
Vorredner.
Wenn wir mißfallen thun, so ist's mit gutem Willen;
Der Vorsaz bleibet gut, wenn wir ihn nicht erfüllen;
Zu zeigen unsre Pflicht durch dieses kurze Spiel,
Das ist der wahre Zwek von unserm End und Ziel.
Erwäget also dann, warum wir kommen fein.
Wir kommen nicht, als sollt ihr euch daran ergözen
Die wahre Absicht ist—zu eurer Lust allein
Wir sind nicht hier—daß wir in Reu euch sezen.
Die Spieler sind bereit—wenn ihr sie werdet sehen,
So wißt ihr alles schon, was ihr nur wollt verstehen.
Theseus.
Dieser Bursche geht nicht auf Stelzen.
Lysander. Er hat seinen Prologus geritten, wie ein junges Füllen; er weiß noch nicht, wo er Halt machen soll. Eine gute Moral, Mylord. Es ist nicht genug daß man rede, man muß auch wahr reden.