Pyramus.
O Nacht so schwarz von Farb! o grimmerfüllte Nacht!
O! Nacht als jemals schien, wenn es nicht Tag mehr war!
O Nacht, o Nacht, o Nacht! ach! ach! ach, Himmel, ach!
Ich fürcht' mein' Thisbe hat ihr Wort vergessen gar!
Und du, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand,
Die zwischen unsrer bey—der Eltern Haus thut stehen,
Du Wand, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand,
Zeig deine Spalte mir, daß ich dadurch mag sehen,
Hab Dank, du gute Wand! Der Himmel lohn' es dir!
Jedoch was seh' ich dort? Thisbe die seh' ich nicht.
O böse Wand, durch die ich nicht seh' meine Zier!
Verflucht sey'n deine Stein! daß du so äffest mich!
Theseus. Mich dünkt, die Wand sollte wieder zurük fluchen, weil sie empfindlich ist.
Pyramus. Nein, fürwahr, Herr, sie muß nicht. Äffest mich, ist Thisbes Merkwort; sie wird gleich kommen, und ich muß sie durch die Wand ausspähen. Ihr werdet sehen, es wird gerade so gehen, wie ich euch sage. Da kömmt sie schon. (Thisbe tritt auf.)
Thisbe.
O Wand, oft hast du schon gehört das Seufzen mein,
Mein'n schönsten Pyramus weil du so trennst von mir!
Mein rother Mund hat oft geküsset deine Stein,
Dein' Stein' mit Haar und Leim geküttet auf in dir.
Pyramus.
Ein' Stimm' ich sehen thu, ich will zur Spalt' und schauen,
Ob ich nicht hören kan mein'r Thisbe Antliz klar.
Thisbe!
Thisbe.
Diß ist mein Schaz! Mein Liebchen ists! fürwahr.
Pyramus.
Denk was du willt, ich bin's; du kanst mir sicher trauen.
Und gleich Limander bin ich treu nach meiner Pflicht.
Thisbe.
Und ich gleich Helena, bis mich der Tod ersticht.
Pyramus.
So treu war Schefelus zu seiner Procrus nicht!
Thisbe.
Wie Procrus Scheflus liebt', lieb' ich dein Angesicht.