Siebende Scene. (Ophelia, auf eine phantastische Art mit Stroh und Blumen geschmükt, tritt auf.)

Laertes. O Hize, trokne mein Gehirn auf! Thränen, siebenmal gesalzen, brennet die Empfindung und Sehens-Kraft meiner Augen aus! Beym Himmel, diese Verfinsterung deiner Vernunft soll mir so vollwichtig bezahlt werden, bis die Wagschale an den Balken stößt—O Rose des Mayen! Holdes Mädchen, liebe Schwester, angenehmste Ophelia!— Himmel! ists möglich daß der Verstand eines jungen Mädchens so sterblich seyn soll, als das Leben eines alten Mannes? Die Natur ist in Liebe verfallen, und sendet dem geliebten Gegenstand das Kostbarste was sie hat zum Andenken nach.

Ophelia (singend.)
Sie senkten ihn in kalten Grund hinab,
Und manche Thräne blieb auf seinem Grab.
Fahr wohl, mein Täubchen!

Laertes. Hättest du deinen Verstand, und strengtest ihn an, mich zur Rache zu bereden, er könnte nicht halb so viel rühren—

Ophelia. Ihr müßt singen—Hinab, hinab—Ihr wißt ja das Lied?—Es war der ungetreue Hausmeister, der seines Herrn Tochter entführte—Hier ist Rosmarin, es ist zum Angedenken; ich bitte dich, Liebe, denk' an mich; und hier sind Vergiß nicht mein—Hier ist Fenchel für euch, und Agley—Hier ist Raute für euch,

(sie theilt im Reden ihre Blumen aus.)

und hier ist welche für mich. Wir könnten sie Gnaden-Kraut oder Sonntags-Kraut nennen; ihr dürft eure Raute wol mit einigem Unterschied tragen. Hier ist eine Maaß-Liebe; ich wollte euch gern einige Veylchen geben, aber sie verwelkten alle, da mein Vater starb: Sie sagen, er hab' ein schönes Ende genommen:

(singend:)

(Denn der Hanserl ist doch mein einziges Leben.)

Laertes.
Wer könnte bey einem solchen Anblik geduldig bleiben!