Hamlet. Der Himmel mög' ihn dir nicht zurechnen! Ich bin des Todes, Horatio—Unglükliche Königin, Adieu!—Ihr, die ihr mit erblaßten Gesichtern umhersteht, und vor Entsezen über diesen Vorfall zittert; ihr, die ihr nur die stummen Personen oder die Zuhörer bey diesem Trauerspiel seyd—hätte ich nur Zeit—aber der Tod liegt zu hart auf mir—oh, ich könnte euch Dinge sagen—laß es seyn!—Horatio, ich sterbe; du lebst, dir überlaß ich meine Ehre und meine Rechtfertigung bey den Unberichteten.

Horatio. Das glaubt nicht, daß ich leben werde—Ich bin mehr ein alter Römer als ein Dähne—Hier ist noch von dem Trank übrig.

Hamlet. Wenn du ein Mann bist, so gieb mir den Becher; laß gehen; beym Himmel, ich will ihn haben. O mein redlicher Horatio, was für einen verwundeten Namen, werd' ich bey diesen Umständen hinter mir lassen! Wenn du mich jemals in deinem Herzen getragen hast, so verbanne dich selbst noch eine Weile von der Glükseligkeit, und schleppe dich noch so lange in dieser mühseligen Welt, bis du mein Andenken gerechtfertiget hast.

(Man hört einen Marsch und bald darauf ein Salve hinter der Scene.)

Was für ein kriegrisches Getöse ist das?

Sechste Scene.
(Oßrik tritt auf.)

Oßrik. Der junge Fortinbras, welcher siegreich von Pohlen zurük kommt, beehrt die Abgesandten von England mit diesem kriegerischen Gruß.

Hamlet. O ich sterbe, Horatio; die Stärke des Gifts überwältigt meinen Geist: Ich kan nicht so lange leben, die Nachrichten aus England zu hören. Aber ich sehe vorher, daß die Wahl auf Fortinbras fallen wird; er hat meine sterbende Stimme: Das sag ihm mit allen den Umständen, die diesen Ausgang—Es ist vorbey—

(Er stirbt.)

Horatio.
Nun bricht ein edles Herz; gute Nacht, liebster Prinz, und Engels-
Schwingen mögen dich zu deiner Ruhe tragen!—Wie, die Trummeln
kommen näher? (Fortinbras und die Englischen Gesandten, mit
Trummeln, Fahnen, und Gefolge treten auf.)