Ophelia. Gnädiger Herr, ich habe verschiedne Sachen zum Andenken von euch, die ich euch gerne zurükgegeben hätte; ich bitte euer Gnaden, sie bey dieser Gelegenheit zurük zu nehmen.

Hamlet.
Ich? ich wißte nicht, daß ich euch jemals was gegeben hätte.

Ophelia. Ihr wißt es gar wohl, Gnädiger Herr, und daß ihr eure Geschenke mit Worten, von so süssem Athem zusammengesezt, begleitet habt, daß sie dadurch einen noch grössern Werth erhielten. Da sich dieser Parfüm verlohren hat, so nehmt sie wieder zurük. Geschenke verliehren für ein edles Gemüth ihren Werth, wenn das Herz des Gebers geändert ist.

Hamlet.
Ha, ha! Seyd ihr tugendhaft?

Ophelia.
Gnädiger Herr—

Hamlet.
Seyd ihr schön?

Ophelia.
Was sollen diese Fragen bedeuten?

Hamlet.
Das will ich euch sagen. Wenn ihr tugendhaft und schön seyd, so
soll eure Tugend nicht zugeben, daß man eurer Schönheit
Schmeicheleyen vorschwaze.

Ophelia. Machen Schönheit und Tugend nicht eine gute Gesellschaft mit einander aus, Gnädiger Herr?

Hamlet. Nicht die beste; denn es wird allemal der Schönheit leichter seyn, die Tugend in eine Kupplerin zu verwandeln, als der Tugend, die Schönheit sich ähnlich zu machen. Das war ehmals ein paradoxer Saz, aber in unsern Tagen ist seine Wahrheit unstreitig—Es war eine Zeit, da ich euch liebte.