Ophelia.
Ja.

Hamlet.
O Gott! ein Spaßmacher, wie ihr keinen mehr sehen werdet. Was
sollte einer thun, als aufgeräumt seyn? Denn, seht ihr, was meine
Mutter für ein vergnügtes Gesicht macht, und es ist doch kaum zwo
Stunden, daß mein Vater todt ist.

Ophelia.
Um Vergebung, es sind zweymal zween Monate, Gnädiger Herr.

Hamlet. Schon so lange? O, wenn das ist, so mag der Teufel schwarz gehen, ich will meinen Hermelin-Pelz wieder umwerfen. O Himmel! schon zween Monat todt, und noch nicht vergessen! So kan man doch hoffen, daß eines grossen Mannes Andenken sein Leben ein halbes Jahr überleben werde: Aber, bey unsrer Frauen! in diesem Fall muß einer wenigstens eine Kirche gebaut haben; sonst mag er leiden, daß man nicht mehr an ihn denkt, wie das Steken-Pferd; dessen Grabschrift ist:

Au weh! das ist beklagens werth,
Man denkt nicht mehr ans Steken-Pferd.*

{ed.-* Ein satyrischer Stich auf die damaligen Puritaner, welche man in den Gassen-Liedern, die über sie gemacht und gesungen wurden, ihren bekannten scheinheiligen Eifer gegen alle Spiele bis gegen das Steken-Pferd treiben ließ, auf welchem doch sie, und ihres gleichen, bis auf den heutigen Tag, so weydlich herumtraben.}

Sechste Scene.
(Musik von Hautbois. Die Pantomime tritt auf.)
(Ein Herzog und eine Herzogin mit Cronen auf den Häuptern, treten
sehr liebreich mit einander auf; die Herzogin umarmt ihn, und er
sie; sie kniet nieder, er hebt sie auf und neigt seinen Kopf auf
ihren Hals; er legt sich auf einen Blumenbank hin; sie sieht daß er
eingeschlafen ist, und verläßt ihn. Darauf kommt ein Kerl hervor,
nimmt seine Crone weg, küßt sie, schüttet dem Herzog Gift ins Ohr,
und geht ab. Die Herzogin kommt zurük, und da sie den Herzog todt
findet, gebehrdet sie sich gar kläglich. Der Vergifter kommt mit
zween oder drey Stummen wieder, und stellt sich, als ob er mit ihr
jammere. Der Leichnam wird weggetragen. Der Vergifter buhlt
hierauf um die Herzogin, und bietet ihr Geschenke an; sie scheint
eine Zeit lang unwillig, und unschlüssig; doch zulezt nimmt sie
seine Liebe an.)

(Die Pantomime geht ab.)

Ophelia.
Was soll das bedeuten?

Hamlet.
Poz Stern, Fräulein, es bedeutet Unheil.