Brutus.
Halt!
Lucilius.
He! Gebt das Wort und haltet.
Brutus.
Was gibt's, Lucilius? Ist Cassius nahe?
Lucilius.
Er ist nicht weit, und hier kommt Pindarus,
Im Namen seines Herrn Euch zu begrüßen.
(Pindarus überreicht dem Brutus einen Brief.)
Brutus.
Sein Gruß ist freundlich. Wißt, daß Euer Herr,
Von selbst verändert oder schlecht beraten,
Mir gültgen Grund gegeben, ungeschehn
Geschehenes zu wünschen. Aber ist er
Hier in der Näh, so wird er mir genugtun.
Pindarus.
Ich zweifle nicht, voll Ehr und Würdigkeit
Wird, wie er ist, mein edler Herr erscheinen.
Brutus.
Wir zweifeln nicht an ihm.—Ein Wort, Lucilius:
Laßt mich erfahren, wie er Euch empfing.
Lucilius.
Mit Höflichkeit und Ehrbezeugung gnug,
Doch nicht mit so vertrauter Herzlichkeit,
Nicht mit so freiem, freundlichem Gespräch,
Als er vordem wohl pflegte.
Brutus.
Du beschreibst,
Wie warme Freund' erkalten. Merke stets
Lucilius, wenn Lieb erkrankt und schwindet,
Nimmt sie gezwungne Höflichkeiten an.
Einfältge, schlichte Treu weiß nichts von Künsten;
Doch Gleisner sind wie Pferde, heiß im Anlauf:
Sie prangen schön mit einem Schein von Kraft;
Doch sollen sie den blutgen Sporn erdulden,
So sinkt ihr Stolz, und falschen Mähren gleich
Erliegen sie der Prüfung.—Naht sein Heer?