Cassius.
Hört mich, lieber Bruder!

Brutus.
Erlaubt mir gütig!—Ferner müßt Ihr merken,
Daß wir von Freunden alles aufgeboten,
Daß unsre Legionen übervoll
Und unsre Sache reif. Der Feind nimmt täglich zu;
Wir, auf dem Gipfel, stehn schon an der Neige.
Der Strom der menschlichen Geschäfte wechselt;
Nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück;
Versäumt man sie, so muß die ganze Reise
Des Lebens sich durch Not und Klippen winden.
Wir sind nun flott auf solcher hohen See
Und müssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen;
Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren.

Cassius.
So zieht denn, wie Ihr wollt; wir rücken selbst
Dem Feind entgegen nach Philippi vor.

Brutus.
Die tiefe Nacht hat das Gespräch beschlichen,
Und die Natur muß frönen dem Bedürfnis,
Das mit ein wenig Ruh wir täuschen wollen.
Ist mehr zu sagen noch?

Cassius.
Nein. Gute Nacht!
Früh stehn wir also morgen auf, und fort.

Brutus.
Lucius, mein Schlafgewand! (Lucius ab.) Lebt wohl, Messala!
Gute Nacht, Titinius! Edler, edler Cassius,
Gute Nacht und sanfte Ruh!

Cassius.
O teurer Bruder,
Das war ein schlimmer Anfang dieser Nacht.
Nie trenne solcher Zwiespalt unsre Herzen,
Nie wieder, Brutus.

Brutus.
Alles steht ja wohl.

Cassius.
Nun, gute Nacht!

Brutus.
Gute Nacht, mein guter Bruder!