Lucilius. Herr?

(Brutus und Lucilius reden beiseite miteinander.)

Cassius.
Messala!

Messala.
Was befiehlt mein Feldherr?

Cassius.
Messala, dies ist mein Geburtstag; grade
An diesem Tag kam Cassius auf die Welt.
Gib mir die Hand, Messala, sei mein Zeuge,
Daß ich gezwungen, wie Pompejus einst,
An eine Schlacht all unsre Freiheit wage.
Du weißt, ich hielt am Epicurus fest
Und seiner Lehr; nun ändr' ich meinen Sinn
Und glaub an Dinge, die das Künftge deuten.
Auf unserm Zug von Sardes stürzten sich
Zwei große Adler auf das vordre Banner;
Da saßen sie und fraßen gierig schlingend
Aus unsrer Krieger Hand; sie gaben uns
Hieher bis nach Philippi das Geleit;
Heut morgen sind sie auf und fortgeflohn.
Statt ihrer fliegen Raben, Geier, Krähn
Uns überm Haupt und schaun herab auf uns
Als einen siechen Raub; ihr Schatten scheint
Ein Trauerhimmel, unter dem das Heer,
Bereit, den Atem auszuhauchen, liegt.

Messala.
Nein, glaubt das nicht.

Cassius.
Ich glaub es auch nur halb,
Denn ich bin frischen Mutes und entschlossen,
Zu trotzen standhaft jeglicher Gefahr.

Brutus.
Tu das, Lucilius.

Cassius.
Nun, mein edler Brutus,
Sein uns die Götter heute hold, auf daß wir
Gesellt in Frieden unserm Alter nahn!
Doch weil das Los der Menschen niemals sicher,
Laßt uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall.
Verlieren wir dies Treffen, so ist dies
Das allerletzte Mal, daß wir uns sprechen:
Was habt Ihr dann Euch vorgesetzt zu tun?

Brutus.
Ganz nach der Vorschrift der Philosophie,
Wonach ich Cato um den Tod getadelt,
Den er sich gab (ich weiß nicht, wie es kommt,
Allein ich find es feig und niederträchtig,
Aus Furcht, was kommen mag, des Lebens Zeit
So zu verkürzen), will ich mit Geduld
Mich waffnen und den Willen hoher Mächte
Erwarten, die das Irdische regieren.