Worcester.
Nein, Vetter, saget nichts mehr. Es ist nun an mir, euch
Geheimnisse von tiefem und gefahrvollem Inhalt zu entfalten, so
gefährlich, und verwegen als es wäre, auf der schwachen Brüke eines
Speers über einen lautheulenden Waldstrom zu gehen.
Hot-Spur. Fällt er hinein, gute Nacht. Entweder schwimmen oder untergehen— Sendet Gefahr von Osten gegen Westen, so soll Ehre von Norden gegen Süden sie durchkreuzen, und dann laßt sie sich mit einander herumbalgen—O! das Blut wallt feuriger einen Löwen aufzuweken, als den Lauf einer Hindin zu beflügeln.
Northumberland.
Der Gedanke irgend einer grossen Unternehmung treibt ihn über die
Grenzen der Geduld.
Hot-Spur. Beym Himmel, mich däucht, es wäre nur ein leichter* Sprung, die glänzende Ehre von dem blaßwangichten Mond herab zu reissen, oder sich in die Tieffe eines bodenlosen Abgrunds hinab zu täuchen, und die ertrunkne Ehre bey den Haaren herauf zu ziehen, wenn der Genuß ihrer Vorzüge mit keinem Nebenbuhler getheilt, der Preiß einer solchen Unternehmung wäre.
{ed. * Hr. Warburton erinnert sich hiebey einer Stelle des Euripides, worinn dieser vortreffliche Mahler der Leidenschaften dem Eteocles den nemlichen Gedanken in den Mund legt: Mutter, ich gesteh es unverhohlen, ich stiege dort wo die Sonne hervor geht über die Sterne hinauf, oder hinab in den Abgrund der Erde, wenn es möglich wäre, der Götter unumschränkten Thron zu bekommen. S. 262 des 1sten Theils des Euripides, nach der Uebersezung des Hrn. Professor Steinbrüchels.}
Worcester.
Mein lieber Vetter, hört mir einen Augenblik zu, wenn es die
Lebhaftigkeit eurer Gemüths-Bewegung erlaubt.
Hot-Spur.
Ich bitte euch um Vergebung.
Worcester.
Eben diese edlen Schotten, die eure Gefangnen sind—
Hot-Spur. Ich will sie alle für mich behalten; beym Himmel, er soll keinen einzigen haben, kein Haar von einem Schotten, und wenn dieses Haar seine Seele erlösen könnte; ich will sie behalten, bey dieser Hand!
Worcester.
Ihr rennt immer fort, und hört mich nicht an; ihr sollt ja diese
Gefangnen behalten.