König Johann. Wofern der hier gegenwärtige Dauphin, dein königlicher Sohn, in diesem Buche der Schönheit lesen kan, ich liebe; so soll ihre Mitgift soviel wägen als eine Königin; denn Anjou, und das schöne Touraine, Maine, Poitou, und alles, was (diese belagerte Stadt hier ausgenommen,) auf dieser Seite des Meers unsrer Crone einverleibt ist, soll ihr Braut-Bette vergülden, und sie an Titeln, Würden und Gütern so reich machen, als sie an Geburt, Erziehung und Schönheit, jeder andern Princeßin in der Welt die Wage hält.

König Philipp.
Was sagst du denn, Junge? Sieh der Princeßin ins Gesicht.

Ludwig. Ich thu es, Sire, und ich find' in ihren Augen ein Wunderwerk, oder doch eine wunderbare Erscheinung, meinen eignen Schatten in ihren Augen abgebildet, der, ob er gleich nur der Schatten euers Sohnes ist, eine Sonne wird, und euern Sohn zu einem Schatten macht. Ich versichre euch, ich liebte mich selbst noch nie bis izt, da ich mich selbst in der schmeichelnden Tafel ihres Auges abgerissen finde.

Blanca (zu Ludwig.) Meines Oheims Wille ist in dieser Sache der meinige; was er nur immer an euch sehen mag, das ihm gefällt, dieses Etwas, das ihm gefällt, kan ich ohne Mühe zu meinem Willen übertragen; oder, um eigentlicher zu reden, wenn ihr wollt, kan ich es leicht meiner Liebe aufnöthigen. Milord, ohne euch über alles was ich liebenswürdiges an euch sehe, zu schmeicheln, will ich nur soviel sagen, daß ich nichts an euch sehe, was, wenn gleich die Tadelsucht selbst Richter seyn sollte, einiges Hasses würdig wäre.

König Johann.
Was sagen diese jungen Leute? Was sagt ihr, meine Nichte?

Blanca. Daß ihre Ehre sie verbindet, alles zu thun, was eurer Klugheit ihr zu befehlen belieben wird.

König Johann.
Redet dann, Prinz Dauphin, könnt ihr diese Lady lieben?

Ludwig. Fragt mich vielmehr, ob es mir möglich sey, sie nicht zu lieben; denn ich liebe sie im höchsten Grade.

König Johann. So geb' ich dir also Volquessen, Touraine, Maine, Poitiers und Anjou, diese fünf Provinzen, mit ihr; und über dieses noch die volle Summe von dreyßigtausend Mark Englischen Geldes. Philipp von Frankreich, wenn du damit zufrieden bist, so befiehl deinem Sohn und deiner Tochter einander die Hände zu geben.

König Philipp. Wir sind es vollkommen zufrieden, ihr jungen Prinzen, vereinigst eure Hände.