Heinrich.
O! daß doch in meinen Thränen eine Kraft seyn möchte, euch
Lindrung zu verschaffen!

König Johann. Das Salz darinn ist heiß. Ich habe die Hölle in mir, und das Gift ist der Teufel, der darinn eingesperrt ist, mein ohne Hoffnung verdammtes Blut zu peinigen.

Zehnte Scene.
(Faulconbridge zu den Vorigen.)

Faulconbridge.
Oh! ich bin athemlos und ganz abgebrüht, vor äusserster
Eilfertigkeit Eu. Majestät zu sehen.

König Johann. Vetter, du kommst eben recht, mir die Augen zuzudrüken; das Takelwerk meines Herzens ist zerrissen und verbrannt, und alle die Thaue, womit mein Leben segeln sollte, sind bis auf einen einzigen Faden, ein armes kleines Haar abgenuzt; mein Herz hängt nur noch an einem einzigen schwachen Zwirn, der nur so lange halten wird, bis du deine Zeitungen gesagt hast; und dann ist alles was du siehst, nur ein Kloz und Model von zerstörter Majestät.

Faulconbridge. Der Dauphin rüstet sich, hieher vorzudringen, und der Himmel weiß, wie wir ihm begegnen sollen; denn ich habe in einer Nacht, da ich mich mit Vortheil zurükziehen wollte, meine besten Truppen in den Morästen von Lincoln verlohren, alle, ohne Rettung, von der unerwarteten Fluth verschlungen.

(Der König stirbt.)

Salisbury.
Ihr athmet diese tödtlichen Zeitungen in ein todtes Ohr—Mein
Gebieter, mein König—doch—kaum ein König, izt diß.

Heinrich.
Eben so muß ich nun lauffen, und eben so stille stehn. Was für
Sicherheit, was für Hoffnung, kan uns diese Welt geben, wenn das,
was eben izt ein König war, so bald ein Erdkloß ist.

Faulconbridge. Bist du dahin? O! ich bleibe nur zurük, das Amt der Rache statt deiner zu vollziehen; und dann soll meine Seele dir im Himmel aufwarten, wie sie dir auf Erden immer gedient hat—