Dritte Scene.
(Northumberland zu den Vorigen.)

Northumberland.
Gnädigster Herr, der alte Gaunt empfiehlt sich Eurer Majestät.

König Richard.
Was sagt der alte Gaunt?

Northumberland.
Nichts mehr; er hat alles gesagt, was er zu sagen hatte; seine
Zunge ist nun ein Instrument ohne Saiten; Sprache, Leben und alles
hat den alten Lancaster verlassen.

York.
Möge York der nächste seyn, den dieses Schiksal trift. So arm der
Tod ist, so endet er doch alles sterbliche Weh.

König Richard. Die reiffeste Frucht fällt zuerst; seine Zeit ist abgelauffen, und die unsrige lauft noch; so viel hievon!—Nun müssen wir unsre Aufmerksamkeit auf die Irländischen Unruhen richten; wir müssen diese rohen zottelköpfichten Kernen* unterdrüken, eh die anstekende Empörung weiter um sich frißt; und da diese grossen Geschäfte einen ziemlichen Aufwand erfordern, so bemächtigen wir uns hiemit, zu unsrer Unterstüzung alles baaren Gelds, Gold- und Silbergeschirrs, aller Einkünfte, und aller beweglichen und unbeweglichen Güter, die der alte Gaunt verlassen hat.

{ed.-* Nahme einer Art von leichtbewaffnetem Irländischem Fußvolk.}

York. Wie lange werd' ich noch Geduld behalten? O wie lange wird noch eine, vielleicht zu schüchterne Empfindung meiner Pflicht, mich jede Ungerechtigkeit geduldig leiden machen? Nicht Glosters Tod, noch Herefords Verbannung, nicht Gaunts erlidtne Kränkungen, noch Englands einheimische Wunden, noch meine eigne Verachtung, haben mich jemals meine geduldige Stirne gegen meinen König rümpfen gemacht. Ich bin der lezte von des grossen Edwards Söhnen, von denen der Prinz von Wales, dein Vater der erste war. Im Krieg war kein Löwe kühner, im Frieden kein Lamm sanftmüthiger, als dieser edle junge Prinz. Du hast seine Gesichtsbildung, so sah er aus; aber wenn er die Stirne runzelte, so war es gegen die Franzosen, nicht gegen seine Freunde: Seine edle Hand gewann erst das was sie ausgab, und verthat nicht, was sein siegreicher Vater gewonnen hatte. Seine Hand wurde oft mit dem Blut der Feinde seines Hauses, niemals mit dem Blut der Seinigen besudelt. O Richard! York muß noch mehr sagen, oder er hat schon zu viel gesagt.

König Richard.
Wie, mein Oheim, was wollt ihr dann sagen?

York. O mein Gnädigster Herr, vergebet mir, wenn es euch gefällt; wo nicht, so laß ich mir auch gefallen, daß ihr mir nicht vergebt. Ihr sucht euch der Ländereyen, Güter und Rechte des verbannten Hereford zu bemächtigen? Wenn Gaunt todt ist, lebt nicht Hereford? War Gaunt nicht redlich, und ist Heinrich nicht getreu? Verdiente jener nicht, einen Erben zu haben? Ist nicht sein Erbe ein verdienstvoller Sohn? Kanst du Herefords Rechte, kanst du seine Titel, Urkunden und wohlhergebrachte Gerechtsame aufheben, und gewiß seyn, ob du morgen noch seyn wirst, was du bist? Denn woher bist du ein König, als durch das Recht der Erbfolge? Wenn ihr gewaltthätiger Weise die Erbschaft Herefords an euch reissen, die Vollmacht seines General-Procurators, in seinem Namen davon Besiz zu nehmen, vernichten, und ihm die angebotne Huldigung versagen wollt; so häuft ihr tausend Gefahren über euer Haupt, verliehrt tausend wohlgesinnte Herzen, und reizet selbst meine sanftmüthige Geduld zu Gedanken, welche Pflicht und Ehre nicht denken können.