Mowbray.
O möchte mein Gebietender Herr sein Angesicht wenden, und seinem
Ohr einen Augenblik taub zu seyn befehlen, bis ich diesem
Schandflek seines Bluts gesagt habe, wie sehr Gott und Menschen
einen so schändlichen Lügner hassen.

König Richard. Mowbray, unsre Augen und Ohren sind ohne Partheylichkeit; wär' er unser Bruder, ja wär' er der Erbe unsers Reichs, wie er nur unsers Vaters Bruders-Sohn ist, dennoch sollte, ich schwör' es bey der Majestät meines Scepters, eine so nahe Verwandtschaft mit unserm geheiligten Blut ihm nicht das geringste Vorrecht geben, noch die unbiegsam Festigkeit unsrer aufrichtigen Seele partheyisch machen. Er ist unser Unterthan, Mowbray, wie du; rede frey und ungescheut, ich erlaub' es dir.

Mowbray. So sag ich dann, Bolingbroke, in deinen verläumdrischen Hals hinein, du lügst! Drey Theile von der Summe, die ich für Calais erhielt, bezahlte ich an Sr. Hoheit Kriegs-Völker; das übrige behielt ich mit Einwilligung, für eine Schuld zurük, die ich an meinen König zu fordern hatte, den Rest der beträchtlichen Auslagen die ich machte, da ich lezthin nach Frankreich reißte, die Königin abzuholen. Nun, schluke diese Lüge hinab—Was Glocesters Tod betrift, so war ich's nicht, der ihn erschlug. Wofern jemand berechtigt seyn sollte, mit einer solchen Beschuldigung wieder mich aufzutreten, so wär' es der ehrenvolle Vater meines Feindes, ihr mein edler Lord von Lancaster; euch stellt' ich einst hinterlistig nach dem Leben, ein Verbrechen, das noch immer meine reuvolle Seele foltert; aber ich beichtete es, eh ich leztmals das Sacrament empfieng, und ich bat euch so aufrichtig um Verzeihung, daß ich sie erhalten zu haben hoffe. Diß ist mein Vergehen; alles übrige, dessen er mich anklagt, ist der Geifer eines grollsüchtigen, lügenhaften und höchst ausgearteten Verräthers; und zum Zeichen daß ich Muth habe, dieses mit meinem Leben zu beweisen, werf ich gleichfalls mein Pfand vor dieses übermüthigen Verräthers Füsse hin; in dem besten Blut, das in seinem Herzen wallt, will ich beweisen, daß ich ein rechtschaffner Edelmann bin; und damit ich nicht lange verziehen müsse, bitte ich Eu. Hoheit herzlichst, den Tag zu unserm Zweykampf anzusezen.

König Richard. Ergrimmte Edle, laßt euch von euerm Fürsten zähmen; laßt uns diese Galle ohne blutvergiessen ausführen; Eure Wuth würde zu tiefe Einschnitte machen, und unsre Ärzte sagen, es sey izt nicht Zeit zum Bluten. Vergeßt, vergebt, vergleicht euch, und werdet zufrieden; mein lieber Oheim, helft mir diesen Zwist in seiner Geburt erstiken; wir wollen den Norfolk besänftigen, ihr euern Sohn.

Gaunt.
Es kan meinen Jahren nicht übel anstehen, wenn ich ein
Friedensstifter bin. Sohn, wirf des Herzogs von Norfolk Pfand
wieder hin.

König Richard.
Und ihr, Norfolk, werfet seines hin.

Gaunt.
Wie, Harry, du zögerst? Muß ich zweymal Gehorsam verlangen?

Mowbray. Mich selbst, mein Gnädigster Souverain, werf' ich zu deinen Füssen; mein Leben kanst du fordern, aber nicht meine Ehre. Jenes ist meine Lehens-Pflicht dir schuldig; aber an meinen unbeflekten Namen hast du (troz dem Tode, der auf meinem Grabe lebt **) kein Recht, und nimmermehr werd' ich zugeben, daß er zur Schande mißbraucht werde. Ich bin hier angegriffen und beschimpft worden, bis in die Seele mit der Verläumdung vergiftetem Speer durchstochen, und diese tödtliche Wunde kan kein andrer Balsam heilen, als das Blut aus dem Herzen, welches diesen Gift ausgeathmet hat.

{ed.-** Die Reime, womit dieses Stük hie und da verbrämt ist, sind nach Pope's Anmerkung, meist ausserordentlich schlecht, so schlecht, daß dieser scharfsinnige Criticus vermuthet, sie seyen von einer fremden Hand. Dieser jämmerliche Einfall, der in ( ) eingeschlossen ist, und alle andre von dieser Art durch dieses ganze Stük, sind dergleichen Reime, an die der Übersezer sich dann auch nicht gebunden halten wird.}

König Richard.
Wuth muß Widerstand finden; gieb mir sein Pfand: Löwen machen
Leoparden zahm.