König Richard. Doppelt geschieden? Gottlose Leute, ihr entheiligt eine zweyfache Ehe; zwischen mir und meiner Crone, und zwischen mir und meinem vermählten Weib. Laß mich den Eid hinwegküssen, der dich und mich vereinigt; und doch, nicht so, denn mit einem Kuß ward er gemacht. Scheid' uns, Northumberland; ich, nach Norden, wo schauernde Kälte das kranke Clima verzehrt; meine Königin nach Frankreich, von wannen sie im Pomp herübergesandt wurde, geschmükt wie der holde May, nun zurük geschikt, verdüstert und traurig wie der kürzeste Tag.

Königin.
Und müssen wir denn getrennt seyn? Müssen wir denn scheiden?

König Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.

Königin.
Verbannet uns beyde, und schikt den König mit mir.

Northumberland.
Das wäre gütig, aber sehr unpolitisch.

Königin.
So laßt mich mit ihm gehen.

König Richard. Weine du in Frankreich für mich, und ich will hier für dich weinen; es ist besser entfernt, als näher geschieden zu seyn. Geh, zähle deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit Ächzen den meinigen.

Königin.
So wird der längste Weg die meisten Seufzer haben.

König Richard. Ich will bey jedem Schritt zweymal ächzen, weil mein Weg der kürzere ist. Komm, komm, ein Kuß soll uns den Mund schliessen, und dann fahr' wohl; so geb' ich dir mein Herz, und so nehm' ich deines.

(Sie küssen sich.)