Herzogin. Gegen wen, ach! gegen wen mag ich dann, ich Unglükselige, über mein Unrecht mich beklagen?
Gaunt.
Gegen den Himmel, den Beschüzer der Wittwe.
Herzogin. Nun dann, so will ich; lebe wohl, alter Gaunt, lebe wohl. Du gehst nach Coventry, ein Zuschauer des Kampfs zwischen unserm Bruder Herford und dem lasterhaften Mowbray zu seyn. O, Himmel, lege meines Gemals erlidtnes Unrecht auf Herfords Speer, damit er des mördrischen Mowbrays Brust durchbohre; oder wenn unglüklicher Weise sein Speer ihn verfehlt, o! so laß Mowbrays Verbrechen so schwer in seinem Busen werden, daß es seinem schäumenden Rosse den Naken breche, und der Reuter, so lang er ist, in die Schranken falle, ein dem Tod verfluchtes Opfer, wiewol unwürdig von Herfords edler Hand zu sterben. Lebe wohl, alter Gaunt; die Unglükliche, die einst deines Bruders Weib war, hat nun keinen andern Gespielen als einen Jammer, der nur mit ihrem Leben enden kan.
Gaunt.
Schwester, lebet wohl; ich muß nach Coventry.
Herzogin. Nur noch ein Wort; der Schmerz wird nie fertig; empfiehl mich meinem Bruder Edmund von York; sieh', das ist alles—Nein, geh' noch nicht—Ob diß gleich alles ist, so geh' nicht so schnell, es wird mir noch mehr beyfallen. Sag' ihm—O was? Sag' ihm, er solle mich, so bald als möglich, zu Plaschie besuchen. Aber, ach, was wird der gute alte York dort sehen, als leere Gemächer und öde Wände, unbevölkerte Nebenzimmer und unbetretne Steine? Was für einen andern Willkomm wird er hören, als meine Klagen? Sag' ihm also—Nein, laß ihn nicht hinkommen. Was kan sein Mitleiden mir helfen. Auf allen Seiten trostlos, will ich geh'n und sterben; diß lezte Lebewohl nimmt mein weinendes Auge von dir!
(Sie gehen ab.)
Vierte Scene.
(Die Schranken zu Coventry.)
(Der Lord Marschall, und der Herzog von Aumerle treten auf.)
Marschall.
Milord Aumerle, ist Harry Herford bewaffnet?
Aumerle. Ja, vom Fuß bis zum Kopf, und wartet ungeduldig hereingelassen zu werden.
Marschall.
Auch der Herzog von Norfolk wartet voll ungeduldigen Feuers auf die
Trompete des Appellanten.