Claudio.
Nur davon zu reden, würde ein neues Verbrechen seyn.

Lucio.
Wie, ist es eine Mordthat?

Claudio.
Nein.

Lucio.
Unzucht?

Claudio.
Wenn ihr es so nennen wollt.

Kerkermeister.
Fort, mein Herr, ihr müßt gehen.

Claudio.
Nur ein Wort, guter Freund Lucio, ein Wort mit euch.

Lucio. Hundert, wenn sie euch etwas nüzen können; wird Unzucht so hart angesehen?

Claudio. Diß ist mein Fall: Auf ein beydseitiges Eheversprechen hin nahm ich Besiz von Juliettens Bette; (ihr kennet sie;) sie ist mein wahres Eheweib, ausser daß uns die Ceremonien mangeln, wodurch unsre Heurath öffentlich gemacht worden wäre. Die einzige Ursache warum wir sie unterliessen, war ein Erbe, das noch in den Kisten ihrer Verwandten ligt, denen wir unsre Liebe noch so lange zu verbergen gedachten, bis die Zeit sie uns günstiger gemacht haben würde. Allein das Unglük wollte, daß das Geheimniß unsrer Vertraulichkeit vor der Zeit verrathen würde—es ist mit zu grossen Buchstaben an Julietten geschrieben.

Lucio.
Mit einem Kind, vielleicht?