Sechste Scene.
Lucio.
Was giebts neues, Frater, vom Herzog?
Herzog.
Ich weiß nichts; wißt ihr etwas?
Lucio. Einige sagen, er sey bey dem Rußischen Kayser; andre, er sey in Rom; aber wo meynt ihr, daß er ist?
Herzog.
Das weiß ich nicht, aber wo er auch seyn mag, wünsch' ich ihm Gutes.
Lucio. Das war ein wunderlicher Einfall von ihm, sich aus dem Staat wegzustehlen, und auf der Betteley herumzuziehen, die seines Handwerks nicht ist. Der Herr Angelo hält indessen hübsch Haus, er beunruhiget die Uebertretung, daß es nicht auszustehen ist.
Herzog.
Daran thut er wohl.
Lucio. Ein wenig mehr Gelindigkeit gegen die Galanterie möchte nicht schaden; in diesem Stük ist er ein wenig zu streng, Bruder.
Herzog.
Ein so verführisches Laster kan nur durch Strenge geheilt werden.
Lucio. Frater, so lang essen und trinken nicht abgeschaft werden kan, wird es unmöglich seyn, es ganz auszurotten. Man sagt, dieser Angelo sey nicht durch den ordentlichen Weg der Natur von einem Mann und einem Weib entstanden; ist es wahr, was däucht euch?